Mistelschnittaktion 17.04.2021 in der Nähe von Beerfurth – Odenwälder Apfel e.V. rückte den todbringenden Misteln in den Apfelbäumen zu Leibe

vLnR: Günter Hess, René Siefert, Michael Ding, Klaus Pankow, Anke Braun

Dem Förderverein Odenwälder Apfel e.V. liegt die Odenwälder Kulturlandschaft und insbesondere der Erhalt ihrer Streuobstwiesen sehr am Herzen. Umso mehr schmerzt das Bild, das sich in der gesamten Odenwaldregion zeigt. Die Laubholzmistel, ein Halbschmarotzer, ist in Laubgehölzen wie Pappeln, Weiden und Birken ebenso wie in den Streuobstbeständen inzwischen in einem Ausmaß verbreitet, das besorgniserregend ist! Die Folge ist Vitalitätsrückgang bis hin zum Absterben der Bäume.

Die Mistel entzieht ihrem Wirt Wasser und Nährstoffe. Hinzu kommt, dass die Obstbäume durch den Klimawandel seit drei Jahren zusätzlich unter Trocken- und Hitzestress leiden. Das fatale Ergebnis ist in dieser Jahreszeit aller Ortens zu sehen.

Schon letztes Jahr fanden Mistelschnittaktionen zusammen mit anderen Akteuren im Odenwald statt, die z.T. Corona-bedingt dann nicht mehr durchgeführt werden konnten. Dieses Jahr war der Förderverein mit einem eigenen Hygienekonzept darauf vorbereitet, auch unter Corona-Bedingungen eine Schnittaktion mit einigen Fachwart-Mitgliedern des Vereins durchzuführen.

Mistel-Keimlinge, die aus klebrigen Samen eine Saugwurzel ins Holz entwickeln

Die Entfernung der Misteln ermöglicht nun diesen ausgewählten Apfelbäumen in der Nähe von Beerfurth ein Weiterleben. Vögel können die weißen Beeren zumindest aus diesen Bäumen nicht mehr weiterverbreiten.

Aber: in der gesamten Odenwald-Region hat sich die Mistel, die schon lange nicht mehr unter Naturschutz steht, in den letzten Jahrzehnten so extrem ausgebreitet, dass Mistelschnittaktionen von ehrenamtlich Tätigen nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sind.

Für diesen Apfelbaum kommt jede Hilfe zu spät, sogar die Mistel im Baum stirbt langsam ab

Anliegen des Fördervereins ist es, mit dieser Aktion auf die Schädlichkeit der Mistel in den Apfelbäumen hinzuweisen. Viele Bäume sind von der Mistel schon so stark geschädigt, dass sie rasch gerodet werden müssten, damit von ihnen keine weitere Verbreitungsgefahr mehr ausgeht. Hier hat der Verein die Hoffnung, dass die Notwendigkeit der Pflege unserer Streuobstwiesen wieder mehr in den Fokus von öffentlichen Trägern rückt, die den vielen privaten Streuobstwiesenbesitzern als wichtige Anlaufstelle für ihre Fragen rund um die Pflege und den Erhalt der Streuobstwiesen dienen sollten.

Eine weitere große Gefahr für die Streuobstbestände ist eine inzwischen stark verbreitete Krankheit, der Schwarze Rindenbrand an Apfel- und Birnbaum (siehe hierzu unser Fachartikel unter ….). Der Handlungsbedarf ist auch hier groß, um die blühenden Streuobstwiesen, die wir alle so sehr schätzen, erhalten zu können.

Text: Kerstin Haugrund
Fotos: Stefan Haugrund

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