Fachwartkurs 2022 ist gestartet!

23 wissensdurstige Teilnehmer:innen haben Anfang Februar ihre Ausbildung zum Fachwart:in für Obstbaumpflege begonnen. In Kursmodulen wird Fachwissen in Theorie und Praxis vermittelt.

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Respekt vor der Natur: eine Fachwartin für Obstbaumpflege erzählt

Seit Herbst 2020 besucht Katharina Schuch den Fachwartkurs des Fördervereins Odenwälder Apfel e.V., durch die Pandemie hat sich alles etwas nach hinten verschoben. Ursprünglich war der Beginn der Ausbildung in zehn Blöcken für Februar 2020 geplant und sollte im Spätherbst 2020 enden. Nun wird es in diesem Jahr noch einen letzten Unterrichtsblock geben, bevor der Abschluss mit Zertifikat stattfinden kann. Marieta Hiller sprach mit der frischgebackenen Fachwartin, die von Kindesbeinen an mit Streuobstwiesen zu tun hatte.

Wie gestaltete sich der Kurs?

Katharina Schuch: Er besteht aus zehn Unterrichtseinheiten, die jeweils an einem Samstag von 9-17 Uhr stattfanden. Es gab theoretische Einheiten und praktische Erfahrungsübungen. Theorie der Obstbaumpflege, Praxis Obstbaumschnitt und Obstbaumpflanzung fanden im Winter statt, später folgte dann Theorie und Praxis der Obstbaumveredelung sowie Einführung in die Imkerei und Beerenobstschnitt. Baumgesundheit und ein Sommerkurs Obstbaumschnitt folgten. Nun steht noch die Sortenbestimmung aus.

Die Einheiten waren zwar prall gefüllt mit Stoff, aber man konnte sich alles gut merken, die Referenten gingen sehr informativ und gründlich vor.

Welchen Nutzen kannst du aus dem Kurs ziehen?

Gewünscht war zu Beginn des Kurses ein nachhaltiger Baumschnitt, also mit einem angemessenen Aufwand möglichst viel zu erreichen. Das beginnt bereits bei der Pflanzung. Da die meisten Teilnehmer am Kurs die Streuobstpflege als Hobby betreiben, war dies meiner Meinung nach der richtige Ansatz.

Die Kursreferenten stellten aus der umfangreichen Fachliteratur genau das zusammen, was man wirklich braucht, noch dazu sehr gut aufbereitet.

Viel Wissen hatte ich schon vorher, da ich ja von klein auf mit Obstbau zu tun habe. Der Kurs hat meine Kenntnisse durch wissenschaftliche Belege untermauert und erweitert.

Was machen Sie von Beruf?

Ich bin im Außendienst für den Vertrieb von Gemüsesaatgut in Hessen, im südlichen Rheinland und in der Schweiz zuständig.

Welche Hobbies haben Sie?

Vor allem die Pferde auf den elterlichen Wiesen, wo meine Mutter auch ihre Bienenstöcke hat. Unsere Familie hat etwa 35 Apfelbäume, vorwiegend Kelterobst, aber auch Tafeläpfel. Die Äpfel standen bei uns immer im Vordergrund. Bei meinen Ausritten sehe ich viele sehr ungepflegte kranke Bäume, aber ich freue mich immer, wenn ich eine gutgepflegte Streuobstwiese sehe. Beruflich bekomme ich ja auch oft professionelle Obstanlagen zu sehen. Wir haben viele verschiedene Sorten, da jedes Jahr und jeder Standort zu anderen Ernteergebnissen führt. Die Vielfalt schafft da einen guten Ausgleich.

Sind Sie auf Ihrer Obstwiese selbst aktiv?

Meine Eltern haben schon gute Vorarbeit geleistet, das kommt mir jetzt zugute. Damit auch spätere Nutzer sich über den Ertrag der Bäume freuen können, führe ich das natürlich fort.

Werden Sie als Baumfachwartin auch andere unterstützen?

Das war ja die Idee, warum der Durchblick* meine Ausbildung gefördert hat. Natürlich stehe ich gerne bereit, im Lautertal Unterstützung als Anleitung zur Selbsthilfe zu geben. Deshalb lade ich alle Interessierten ein, am 27. November mit mir zwei neue Bäume zu pflanzen. Treffpunkt 27. November um 11 Uhr am Marktplatz Reichenbach (Brunnen). Auch bei Fragen darf man gerne anrufen: Telefon 0172-2347906.

Im Winter kann ein gemeinsamer Rundgang stattfinden, und Anfang Februar zeige ich wie Jungbäume geschnitten werden.

Warum würden Sie den Kurs auch anderen empfehlen?

Viele Teilnehmer kamen wegen der Natur und um etwas für den Naturschutz zu tun. Aber es gab auch Teilnehmer, denen es um Verbesserung ihrer Ernte ging. Ein Baum trägt ja erst 5-10 Jahre nach der Pflanzung, das ist eine recht langfristige Investition, bei der man auch nicht reich werden kann.

Das fordert mir Respekt ab: die lange Zeit, die die Natur fordert - und zugleich zu wissen, welche Hilfestellungen man geben kann, um gesunde Bäume zu erhalten und gutes Obst zu ernten. Man sieht ja nicht direkt den Nutzen dessen was man tut, aber wenn ich jetzt nichts tue, gehen die Bäume irgendwann kaputt. Man leistet hier einen sehr langfristigen Beitrag zum Naturschutz und hat irgendwann viel später selbst einen Nutzen davon.

Danke für das Gespräch und viel Erfolg und Spaß bei Ihrem Engagement als Obstbaum-Fachwartin!

Und ich bedanke mich für den tollen Fachwartkurs - nicht nur beim Durchblick, sondern auch bei den ehrenamtlichen Organisatoren, die hier viel Herzblut investieren. Was die Orga-Gruppe, die zusammen mit Hans Helmut die Organisation übernommen hat, da leistet, ist fast mehr als die Referenten!"

*Die Monatszeitschrift Durchblick für Lautertal und Modautal hatte die Ausbildung 2020 als Jahresprojekt finanziert. Es sollten sich für beide Gemeinden Interessierte finden, die später ehrenamtlich Ansprechpartner für Fragen und Probleme in der Baumpflege sein sollten. Für Modautal hatte sich niemand gefunden, der die Fachwartausbildung absolvieren wollte. Auf der Seite www.odenwaelder-apfel.de gibt es jedoch Ansprechpartner für Fragen in Bezug auf Baumschnitt und Baumgesundheit.

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NEU: der Flyer zum Schwarzen Rindenbrand

Als Kooperationsprojekt zwischen dem NABU Kreisverband Dieburg und dem Förderverein Odenwälder Apfel e.V. ist ein Flyer zum Schwarzen Rindenbrand entstanden. Er enthält nützliche Informationen zu Ursachen und Symptomen, Behandlung und vorbeugenden Maßnahmen sowie anschauliches Bildmaterial.

Den Flyer gibts's hier zum Download!

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Mistelschnittaktion 17.04.2021 in der Nähe von Beerfurth – Odenwälder Apfel e.V. rückte den todbringenden Misteln in den Apfelbäumen zu Leibe

vLnR: Günter Hess, René Siefert, Michael Ding, Klaus Pankow, Anke Braun

Dem Förderverein Odenwälder Apfel e.V. liegt die Odenwälder Kulturlandschaft und insbesondere der Erhalt ihrer Streuobstwiesen sehr am Herzen. Umso mehr schmerzt das Bild, das sich in der gesamten Odenwaldregion zeigt. Die Laubholzmistel, ein Halbschmarotzer, ist in Laubgehölzen wie Pappeln, Weiden und Birken ebenso wie in den Streuobstbeständen inzwischen in einem Ausmaß verbreitet, das besorgniserregend ist! Die Folge ist Vitalitätsrückgang bis hin zum Absterben der Bäume.

Die Mistel entzieht ihrem Wirt Wasser und Nährstoffe. Hinzu kommt, dass die Obstbäume durch den Klimawandel seit drei Jahren zusätzlich unter Trocken- und Hitzestress leiden. Das fatale Ergebnis ist in dieser Jahreszeit aller Ortens zu sehen.

Schon letztes Jahr fanden Mistelschnittaktionen zusammen mit anderen Akteuren im Odenwald statt, die z.T. Corona-bedingt dann nicht mehr durchgeführt werden konnten. Dieses Jahr war der Förderverein mit einem eigenen Hygienekonzept darauf vorbereitet, auch unter Corona-Bedingungen eine Schnittaktion mit einigen Fachwart-Mitgliedern des Vereins durchzuführen.

Mistel-Keimlinge, die aus klebrigen Samen eine Saugwurzel ins Holz entwickeln

Die Entfernung der Misteln ermöglicht nun diesen ausgewählten Apfelbäumen in der Nähe von Beerfurth ein Weiterleben. Vögel können die weißen Beeren zumindest aus diesen Bäumen nicht mehr weiterverbreiten.

Aber: in der gesamten Odenwald-Region hat sich die Mistel, die schon lange nicht mehr unter Naturschutz steht, in den letzten Jahrzehnten so extrem ausgebreitet, dass Mistelschnittaktionen von ehrenamtlich Tätigen nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sind.

Für diesen Apfelbaum kommt jede Hilfe zu spät, sogar die Mistel im Baum stirbt langsam ab

Anliegen des Fördervereins ist es, mit dieser Aktion auf die Schädlichkeit der Mistel in den Apfelbäumen hinzuweisen. Viele Bäume sind von der Mistel schon so stark geschädigt, dass sie rasch gerodet werden müssten, damit von ihnen keine weitere Verbreitungsgefahr mehr ausgeht. Hier hat der Verein die Hoffnung, dass die Notwendigkeit der Pflege unserer Streuobstwiesen wieder mehr in den Fokus von öffentlichen Trägern rückt, die den vielen privaten Streuobstwiesenbesitzern als wichtige Anlaufstelle für ihre Fragen rund um die Pflege und den Erhalt der Streuobstwiesen dienen sollten.

Eine weitere große Gefahr für die Streuobstbestände ist eine inzwischen stark verbreitete Krankheit, der Schwarze Rindenbrand an Apfel- und Birnbaum (siehe hierzu unser Fachartikel unter ….). Der Handlungsbedarf ist auch hier groß, um die blühenden Streuobstwiesen, die wir alle so sehr schätzen, erhalten zu können.

Text: Kerstin Haugrund
Fotos: Stefan Haugrund