1. Odenwälder Apfelherbst

09. September - 22. Oktober 2017

Der höchste Apfelbaum im Odenwald



Der höchste Apfelbaum des Odenwaldes steht auf der Neunkircher Höhe: er wurde am 6. April 1997 durch Aktive der Hessischen Apfelwein- & Obstwiesenroute Odenwald gepflanzt. Bei starkem Schneetreiben schufen Wolfgang Knell und Karl-Heinz Waffenschmidt aus Nieder-Ramstadt mit dem damaligen Modautaler Bürgermeister Wilhelm Speckhardt den Standort am Höhenweg von Neunkirchen nach Gadernheim. Ruhebank und Infoschild ergänzen den idyllischen Platz, an dem man gelegentlich schon Blüten und Äpfel zur gleichen Zeit am gleichen Baum finden konnte. Karl-Heinz Waffenschmidt gehört zur NABU Gruppe Nieder-Ramstadt und meint: „Dinge, die man im Leben getan haben sollte: einen Apfelbaum pflanzen - und anderen einen Vogel zeigen“.
Infos:  www.wirsindwaswirtun.de

Der Förderverein Odenwälder Apfel e.V. ist aus der Hessischen Apfelwein und Obstwiesenroute Odenwald hervorgegangen und setzt sich für den Erhalt von Streuobstbeständen ein. Im September plant der Verein eine große Veranstaltung: den »Odenwälder Apfelherbst« vom 10. September bis 22. Oktober 2017. Einer der Gründe ist der starke Rückgang der Obstbaumbestände im Odenwald: in den letzten 70 Jahren um 75%! Im Jahr 1879/80 kamen im damaligen Kreis Erbach auf 10.000 Einwohner 414.000 Obstbäume. Der größte Teil waren Zwetschgenbäume (170.000 Bäume), da man im Winter einen guten Teil des Vitaminbedarfes durch Dörrzwetschgen deckte. In jedem Dorf gab es eine Trockeneinrichtung, und die „Hutzelfrauen“ zogen mit ihrer Kiepe voller Dörrobst über die Dörfer und in die Städte.
An zweiter Stelle kamen mit 140.000 Bäu-men der Apfel, es folgten 65.000 Birnbäume. Birnen brauchte man zum Süßen, niemand kam auf die Idee Zucker zu kaufen. Deshalb stand an jedem Haus ein Birnbaum. Weiter gab es 1879 19.000 Kirschbäume und 17000 Nußbäume. Der Winter 1879/80 jedoch vernichtete mit minus 40 Grad rund 106.000 Bäume. Da die Bevölkerung damals auf die eigene Obstproduktion angewiesen war, wurden umfangreiche Nachpflanzungen organisiert, im Landratsamt Erbach waren zu dieser Zeit 15 Mitarbeiter nur für die Ernährung der Bevölkerung zuständig. Das obere Gersprenztal war das größte Erd-beeranbaugebiet Hessens, wodurch die Eisenbahn nach Darmstadt rentabel arbeiten konnte, denn das „Odenwälder Lieschen mußte die empfindlichen Früchte täglich fahren. Pro Kopf konnte man also vor 150 Jahren über 40 Obstbäume rechnen! Wer schon einmal bei der Apfelernte geholfen hat, weiß welche Plackerei das ist. Und welche Mengen an Obst mußten in jedem Herbst nicht nur geerntet, sondern auch haltbar gemacht werden: Obstsaft und Kompott wurde eingemacht, Früchte gedörrt oder in der Speisekammer auf Farnblättern gelagert - diese verhinderten Schimmelbefall und Fäulnis. Natürlich gab es auch Obstwein und Schnaps. Ohne Tiefkühltruhe mußte alles bis zum Frühjahr halten. Ein guter Teil wurde an die Städter verkauft, die allenfalls einen kleinen Gemüsegarten und höchstens einen Obstbaum ihr eigen nennen konnten. Die Hausfrau auf dem Land hatte mit der Obstkonservierung im Herbst 18 Stunden am Tag zu tun, während bei der Ernte die ganze Familie half.


Infos: Hans Helmut Börner, Reichelsheim
Text und Fotos: Marieta Hiller

Gründer der Initiative Streuobstwiesenretter
Foto: Claus Geiss

Traditionelle Obstsorten retten - Streuobstwiesenretter gewinnen!

Wow! Die Streuobstwiesenretter sind Preisträger beim diesjährigen Wettbewerb "Unsere Heimat & Natur" von EDEKA Südwest und erhalten ein Preisgeld von 2000€.

EDEKA Südwest zeichnet und fördert gemeinsam mit der Stiftung NatureLife-International jährlich herausragende Nautschutzprojekte. Mit ihrem Obstsortenerhaltungsprojekt leisten die Streuobstwiesenretter einen wichtigen Beitrag zu Erhaltung der regionalen Kulturlandschaft. Neben der unermüdlichen Aufklärungsarbeit über die Wichtigkeit der Erhaltung von Streuobstwiesen werden Obstsorten bestimmt, aussterbende Sorten in Kooperation mit einer Baumschule zu neuen Hochstämmen veredelt und diese dann auf Projektflächen, wie dem Wambolder Sand, angepflanzt und gepflegt.

Die Patenschaft für das Projekt übernahm Edeka Aktiv Markt Brand in Weinheim. Marktleiter Jürgen Brand war von den Streuobstwiesenrettern und ihrem Projekt derart begeistert, sodass er das Preisgeld um weitere 3000€ aufstockte. Nochmals wow!

Auch wir gratulieren!

 

 

Eiszeit auf Hessisch

„Bembällchen“: Odenwälder Eismanufaktur bringt zusammen mit BEMBEL-WITH-CARE® erstes Apfelwein-Sorbet auf den Markt

Mannheim, März 2017 – Die Premiere am 14. März war gelungen: Zusammen mit Benedikt Kuhn, dem Gründer der Apfelweinmarke BEMBEL-WITH-CARE®, hat die Reichelsheimer Eismanufaktur Monteleone ihr Apfelwein-Sorbet vorgestellt – eine echte Neuheit, die jetzt auch überregional in den Handel kommt. Neben vielen anderen Gästen waren auch Frank Matiaske, der Landrat des Odenwaldkreises, sowie der Reichelsheimer Bürgermeister Stefan Lopinsky in die Manufaktur gekommen und überzeugten sich von der gelungenen Fusion aus Odenwälder Apfelwein und italienischer Eis-Handwerkskunst. Die cremigen Sorbets wurden in enger Zusammenarbeit mit BEMBEL-WITH-CARE® und der Kelterei Krämer entwickelt und sind in Supermärkten, Kiosken sowie an Tankstellen und Gastronomiebetrieben in der Region und darüber hinaus erhältlich. Am 20. März startet der offizielle Verkauf.

Bereits seit 2013 arbeitet Nico Monteleone an der perfekten Rezeptur, nun läuft die Produktion seiner Apfelwein-Sorbets auf Hochtouren. Vollautomatisierte Anlagen sucht man in der kleinen Manufaktur allerdings vergebens, die Herstellung ist echtes Handwerk. Vom Schälen der Äpfel über das Wiegen der Zutaten bis hin zur Abfüllung von bis zu 1000 Bechern am Tag geschieht alles in Handarbeit. Die Hauptzutat der Rezeptur ist Apfelwein von BEMBEL-WITH-CARE®, der in der Traditionskelterei Krämer produziert wird. Um dem Eis die richtige Balance aus fruchtiger Süße und feinem Apfelweinaroma zu verleihen, kommen frische Boskoop-Äpfel aus der Region zum Einsatz.

„Als im Odenwald lebender Italiener war es schon lange mein Traum, eines Tages das perfekte Apfelwein-Sorbet zu kreieren“, so Nico Monteleone, Inhaber der Eismanufaktur. „Hierfür hätte ich keinen besseren Partner als Benedikt Kuhn von BEMBEL-WITH-CARE® finden können. Ich teile seine Leidenschaft für das Kulturgut Apfelwein und bewundere sein Engagement und den Mut, unkonventionelle Wege zu gehen. Mit dem tollen Feedback unserer Premieren-Gäste im Rücken freue ich mich auf die Eis-Saison 2017 und hoffe natürlich, dass unsere Bembällchen einschlagen wie eine Bombe.“

Benedikt Kuhn ist ebenfalls bester Dinge: „Ich freue mich, dass wir dieses Produkt gemeinsam vermarkten können, und ich glaube fest daran, dass es ein Riesenerfolg wird. Unsere Fans auf Facebook sind alle schon mächtig gespannt und freuen sich darauf, ihren Lieblingsapfelwein bald auch als Sorbet zu genießen. Unsere große Aufgabe ist es jetzt, unsere Handelspartner schnell davon zu überzeugen, Bembällchen in ihr Sortiment aufzunehmen. Hier in der Region haben wir bereits die ersten Verkaufsstellen bestätigt, und wir hoffen natürlich, dass die Sorbets an den Erfolg unseres Apfelweins anknüpfen und bald an jeder Ecke erhältlich sind.

Das neue Sorbet gibt es in den drei Sorten „Pur“, „Cola“ und „Kirsch“. Die Becher sind ebenso schön gestylt, wie man es von der Apfelweindose kennt. Sie sind vollständig kompostierbar und dank integriertem Löffel ideal für unterwegs. Für Kinder sind die Sorbets allerdings nicht geeignet: Mit einem Alkoholgehalt von 2,8 % Vol. werden sie nur an Apfelweinfreunde über 16 verkauft.

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.bembaellchen.de sowie unter www.bembel-with-care.de 

Quelle: Presseinformation BEMBEL-WITH-CARE GmbH & Co. KG                         

Odenwälder Äpfel im Fernsehen!

Am Freiatg, den 24.03.2017 um 19:15 zeigte das hr-Fernsehen in der Sendung "alle wetter" einen Beitrag zum Apfel-Projekt "Unser Apfel – ein Projekt mit Sti(e)l", dem Gewinnerprojekt der Umweltlotterie GENAU.

Wer den Beitrag verpasst hat, kann ihn sich in der Mediathek ansehen!

"Unser Apfel – ein Projekt mit Sti(e)l" ist Gewinnerprojekt der Umweltlotterie GENAU

Kinder und Jungendliche mit dem Kulturgut Odenwälder Apfel und der heimischen Streuobstwiese zusammenzubringen, ist Intention des Apfelprojektes. Das von den Projektträgern Kreisstadt Erbach, Schule am Sportpark und dem Verein für Bildungs- und Kulturarbeit e.V. ins Leben gerufene Projekt bietet die Möglichkeit durch erlebnispädagogische Aktionen eine neue Wertschätzung der für den Odenwald typischen Streuobstwiesen und ihrer natürlichen Produkte zu schaffen.

In Kooperation mit den Streuobstwiesenrettern und dem Förderverein Odenwälder Apfel e.V. werden mit eigenem Equipment Streuobstwiesen bewirtschaftet. Alte Baumbestände werden gepflegt und aufgeforstet. Im Herbst wird aus den eigenhändig geernteten Äpfeln kelterfrischer Apfelsaft hergestellt.  

Den Wochengewinnern der GENAU-Ziehung vom 13.01.2017 muss dieses Projekt sehr am Herzen liegen. Mit der Auswahl des Apfelprojektes im Odenwaldkreis können sich die jungen Apfelfreunde  nun auf eine stolze Gewinnsumme von 5000€ freuen.

Das Lotterieprinzip der Umweltlotterie GENAU – GEmeinsam für NAtur und Umwelt – ist bisher weltweit einzigartig. GENAU unterstützt Umwelt- und Naturschutzprojekte hessenweit und das landkreisgebunden. Damit profitieren nicht nur einzelne Gewinner, sondern auch der Umweltschutz im Gewinnerlandkreis.

Mehr erfahren Sie auf der Seite von GENAU- der Umweltlotterie von Lotto Hessen:

 

 

1900 Liter gespeicherte Sonne

APFEL-PROJEKT Junge Erbacher verarbeiten mehr als drei Tonnen Obst zu schmackhaftem Saft

ERBACH - Eine arbeitsintensive Woche hinter sich haben die jungen Erbacher, die an den gemeinschaftlichen Aktionen zum Thema „Unser Apfel – das Projekt mit Stiel“ teilnehmen. Allein an einem Tag wurden fast drei Tonnen des unter der Odenwälder Sonne gereiften Naturguts zu 1900 Liter Saft gepresst. Die Aktionen sind Bestandteil des Erbacher Jugend-Präventionsprojekts „Gewalt, Scherben und Alkohol“.

Wie kommt denn der Apfel in Flasche?

Apfelsaft ist bei den meisten Kindern der Favorit unter den Säften. Wie aber kommt der Apfel in die Flasche? Darum ging es in einer Tagesaktion des Präventionsprojekts „Unser Apfel – das Projekt mit Stiel“, Schauplatz war der Pausenhof der Schule am Sportpark. Für das Projekt zeichnen verantwortlich Alexander Carrasco Torres vom Verein für Bildungs- und Kulturarbeit/Lernstubb Michelstadt, der auch Träger der Schulsozialarbeit an der Schule ist, und Gerhard Müller von der städtischen Jugendsozialarbeit. Mit Unterstützung des Kooperationspartners Albin Strecker (Rimbach) und dessen mobiler Apfelverarbeitungsanlage wurden bis in den späten Nachmittag fast drei Tonnen Obst zu
1900 Liter Saft gepresst.

Wie Gerhard Müller in einer Pressenotiz mitteilte, hatten die jungen Leute in den Tagen zuvor mehr als 70 Säcke Äpfel von Streuobstwiesen geerntet und an der Schule fachgerecht für den großen Moment gelagert. Bei der Verarbeitung des Obstes waren die Jugendlichen vielfältig eingebunden: von der Überprüfung der Äpfel auf dem Weg in die Waschanlage übers Schreddern, Pressen und Abkochen bis zum Abfüllen in lebensmittelechte Bag-In-Boxen. Schon als die ersten Tropfen aus der Presse rannen, standen die Kinder und Jugendlichen mit ihren Bechern Schlange. „Es ist schön, dass unsere jungen Leute Gelegenheit haben, beim Keltern selbst mitzumachen. Denn natürlich schmeckt selbst gekelterter Saft viel besser als gekaufter“, freute sich Müller mit seinen Schützlingen. Damit die Sache auch langfristig Früchte trägt, so ergänzt Carrasco Torres, sind die beiden Sozialarbeiter das ganze Jahr über mit den Jugendlichen aktiv und kümmern sich um Erhalt und Bewirtschaftung der ihnen übertragenen Streuobstwiesen. Zusätzliche Freude bereitete den Akteuren am Aktionstag der Besuch von zwei Kindergärten, die sich das Keltern anschauten und reichlich Wissenswertes erfuhren. Bei einer Mostprobe wurde schnell klar, dass sich auch die Jüngsten schön einbringen können.

Vor den Aufräumarbeiten wurde das süße Getränk fünfliterweise in Boxen abgefüllt. Mit einer Haltbarkeit von mehr als einem Jahr wird der Apfelsaft so lang eingelagert, bis die Etikettierung abgeschlossen ist. Danach werden die jungen Erbacher den Verkauf ihres gesunden Erzeugnisses bewerben. Ein Verpackungs- und Werbelogo haben sie bereits entworfen und drucken lassen. Zielgruppe auf Abnehmerseite ist die Jugend, „die den Apfelsaft gerade als Alternativgetränk entdeckt“. Schon jetzt gibt es zudem weitere Ideen, die gemeinsam mit den Netzwerkpartnern umgesetzt werden sollen. Unter anderem wird neben der Kultivierung der Streuobstwiesen die Anpflanzung typischer Odenwälder Apfelbaumarten gestartet. Solche Apfelbäume können auch Bürger bei den Projektinitiatoren kaufen. Die Bäume werden von den Jugendlichen in diesem Jahr gepflanzt und mit einem Informationsschild zur Eigenart des Baumes und mit dem Spendernamen versehen. Das
Beschneiden von Obstbäumen durch die beiden Sozialarbeiter und die jungen Leute wird interessierten Erbachern ebenfalls angeboten. Die Initiatoren sind sich einig: „Wenn es ein solches Angebot vor Ort gibt, sollte man dies auch nutzen und davon gegenseitig profitieren.“ Ziel der ganzen Sache ist nicht zuletzt, Jugendlichen die Bedeutung der Kulturgüter Apfel und Streuobstwiese bewusst zu machen.

Und: „Die jungen Leute erleben die Zusammenarbeit als erlebnispädagogische Aktion und Abenteuer.“

Text: Birgit Reuther
Quelle: Rhein Main Presse

Dein Obst – Dein Saft

Albin Strecker kommt mit seiner mobilen Kelter vor Ort

ZOTZENBACH (er). Familie Strecker führt schon seit vielen Jahren eine Apfelannahmestelle im Rimbacher Ortsteil Zotzenbach. „Wir besitzen auch eigene Streuobstwiesen und schätzten es sehr, den Saft der eigenen Äpfel oder anderen Obstes zu trinken. So wie uns geht es sehr vielen Obstbaumbesitzern“, meint Ariane Strecker. Albin und Ariane Strecker keltern schon seit vielen Jahren hauptsächlich für Schulen, Kindergärten und Heime, um auch den Kleinsten und Jüngsten zu zeigen, wie Saft hergestellt wird. Sie betreiben zudem seit 2014 die Rimbacher Gemeindekelter. Nachdem die Nachfrage nach eigenem Saft immer größer wurde, hat sich Albin Strecker in diesem Jahr dazu entschlossen, eine große, professionelle und leistungsfähige mobile Kelter anzuschaffen, mit der er direkt bei seinen Kunden keltert. Den eigenen Saft gibt es sowohl in Rimbach als auch vor Ort pasteurisiert und schonend haltbar gemacht in Bag-in-Box-Beuteln. Wer dagegen Wein aus eigenem Obst herstellen möchte, bekommt den Most unbehandelt und kelterfrisch direkt von der Presse in den Gärbehälter.

Schon ab einer Menge von 100 Kilogramm Äpfel kann man den eigenen Saft bekommen. „Oft tun sich mehrere Personen zusammen, sodass wir auf diese Weise zur benötigten Gesamtmenge von 1500 Kilogramm Obst kommen“, erzählt der Kelterer. „Wer in Zweifel ist, kann mich ja einfach anrufen. Ich finde fast immer eine Lösung.“ Natürlich kann man auch in der Rimbacher Gemeindekelter nach Terminvereinbarung keltern lassen. Wenn die Menge den Eigenbedarf übersteigt, nimmt Familie Strecker das Obst gerne im Tausch gegen so genannte Saftscheine oder für den jeweiligen Tagespreis entgegen. Die mobile Kelter ist übrigens auch ein Highlight bei vielen Festen.

„'Dein Obst- Dein Saft' heißt unsere Philosophie“, erklärt Albin Strecker. „Mit diesem Konzept motivieren wir viele, ihre Obstbäume wieder zu pflegen und leisten so einen Beitrag zum Erhalt der Streuobstwiesen, der Kulturlandschaft, die für unseren Odenwald so typisch ist.“

Kontakt: Albin Strecker, Steinbühl 19, 64668 Rimbach/Zotzenbach, Tel.: 06253-9899960, www.streckers-mobile-kelterei.de

Text: Erik Erstfeld, Foto: Albin Strecker
Quelle: Odenwälder Kartoffelsupp

Mit der mobilen Kelter können bis zu 500 Liter pro Stunde produziert werden, die Tageshöchstmenge liegt bei fünf Tonnen Obst. Die Kelter benötigt eine Stellfläche von sieben mal sieben Metern, Starkstrom und einen Wasseranschluss.

Beerfurther Schoppen - naturtrüb oder klar

Bei der Kelterei Krämer ist jeder Apfelwein eine Komposition

Stefan Krämer mit seinen beiden „Kompositionen“ Beerfurther Schoppen klar und naturtrüb.

BEERFURTH (er). Die Getränkewelt ist geschmacklich im Wandel begriffen. Der Trend geht einerseits in Richtung Mischgetränke, andererseits sind die Geschmacksnoten „mild“ und „natürlich“ mehr denn je gefragt. Naturtrübe, ungefilterte Kellerbiere und so genannte „Helle“, die außerhalb von Bayern schon totgesagt waren, gewinnen neuerdings deutschlandweit wieder Liebhaber unter solchen, denen das Pils zu herb und zu dominant gehopft ist. Beim Apfelwein ist diese Tendenz sogar noch ausgeprägter. Vor wenigen Jahrzehnten wurde Apfelwein vor allem kräftig-sauer genossen, heute finden gerade jüngere Personen den Zugang zum Ebbelwoi über dessen mildere und fruchtigere Ausprägungen.

Stefan Krämer von der gleichnamigen Kelterei im Reichelsheimer Ortsteil Beerfurth spricht beim Apfelwein von einem „gelernten Geschmacksbild“, das sich regional unterscheiden kann. Apfelwein kennen die Meisten in der klaren Variante, mit ausgeprägter Säurestruktur. Der klare Apfelwein im gerippten Glas ist gerade auch optisch ein Genuss. Aus ihm werden bei der Schönung winzige Schwebeteilchen gefiltert - ein Prozess, der auch aus der Wein- und Bierherstellung bekannt ist. Durch die Filterung werden alkoholische Getränke und Säfte stabilisiert und haltbarer gemacht, es werden ihnen aber auch Aromastoffe entzogen.

Wenn die Trübstoffe herausgefiltert sind, kommen einige Apfelnoten weniger zum Tragen, dafür setzen sich die weinartigen Geschmacksnoten stärker durch. „Nimmt man dem Apfelwein was weg, entfaltet sich das Andere dafür stärker“, erklärt Stefan Krämer. Der „Beerfurther Schoppen klar“ ist säurebetonter als sein naturtrübes Pendant und wird vor allem von Menschen geschätzt, die ihren Apfelwein gespritzt trinken. Apfelweinliebhaber, die ihren Ebbelwoi lieber pur genießen, greifen eher zum naturtrüben Schoppen, der über eine größere Vielfalt an Aromen verfügt und nach einer vollständigen Vergärung mit etwas Restsüße ausgebaut wird. Nicht zu verwechseln mit dem Odenwälder Apfelwein ist der französische Cidre. „Beim Cidre wird die Gärung gestoppt und so ein gewisser Restzucker erhalten. Dadurch erhält der Wein aber ein anderes Geschmacksprofil und weniger Alkohol. Das entspricht nicht dem Odenwälder Apfelwein“, erklärt Krämer.

In großen Edelstahltanks warten das ganze Jahr über viele tausend Liter Apfelwein darauf, zum unverwechselbaren „Beerfurther Schoppen“ zusammengefügt zu werden. Dabei schmeckt der Inhalt jeden Tanks anders. Die große Kunst ist es, die verschiedenen Weine so zu mischen, dass die verschiedenen Abfüllungen geschmacklich nur sehr gering von einander abweichen. Dabei helfen die einzelnen Laborwerte, aber entscheidend ist bei der „Komposition“ des Cuvées der geschulte und sensible Geschmackssinn des Experten. Jeder Apfelweinhersteller hat konkrete Vorstellungen, wie das Endprodukt schmecken soll und kultiviert seine eigenen Rezepte. Der „Beerfurther Schoppen“ hat ein fruchtig-frisches Bouquet und ist nicht sehr säurebetont. Die Entscheidung, ob jemand eher zum klaren oder naturtrüben Apfelwein greift, ist eine Frage des Geschmackes und nicht der Qualität. Gut ist, was schmeckt, und über den Geschmack kann man bekanntlich nicht streiten.

Text: Erik Erstfeld; Foto: Erik Erstfeld
Quelle: Odenwälder Kartoffelsupp

Fruchtige und nussige Liqueure von Odenwälder Feine Brände

Vom Seelentröster älterer Damen zum Trendgetränk junger Erwachsener

Ein Schelm, der behauptet, Johannes Gehrig sei sein bester Kunde!

Grasellenbach (er). Noch bis vor wenigen Jahrzehnten durfte er bei keinem niveauvollen Kaffeekränzchen fehlen. Die Rede ist vom Likör. Die meist älteren Teilnehmerinnen gönnten sich nach Kaffee und Kuchen dann noch ein oder zwei Likörchen und nippten lustvoll an stilvollen, oft kitschig-schön verzierten Gläschen. „Es ist ein Brauch von Alters her: Wer Sorgen hat, hat auch Likör“ dichtete der schwarzhumorige Wilhelm Busch im Jahre 1872. Recht hatte er, denn die Kombination von Fruchtzucker und Alkohol verheißt - allerdings nur sehr kurzfristig und auf Dauer nicht unbedenklich - einigen Seelentrost.

Als ich Johannes Gehrig, Obstbrenner und Liqueurhersteller, meine Assoziationen zum Likör schildere, lacht er über das ganze Gesicht. „Das Image des Likörs hat sich völlig geändert“, erklärt er mir. „Likör ist nun das Getränk der Generation junger Erwachsener ab 25.“ Das hat auch damit zu tun, dass sich der Charakter des Likörs gewandelt hat. Ein Grund, weshalb Johannes Gehrig bewusst die französische Schreibweise bevorzugt. Seine „Liqueure“ sind weniger süß als ihre Pendents vergangener Tage, die Fruchtaromen dagegen deutlich ausgeprägter.

Johannes Gehrig weiß um die optimalen Grundsubstanzen, Zutaten sowie die besten Mengen- und Mischungsverhältnisse. Grundsätzlich verwendet der Genussmensch nur reine, frisch gepresste Fruchtsäfte der Region und keine gekochten oder anderweitig haltbar gemachten Säfte. So erhalten die Liqueure eine ausgeprägte Frische von Frucht. Fruchtsaftauszüge, Essenzen oder Fruchtaromen sind für Gehrig absolut tabu. Und bei manchen Variationen wie dem Walnussliqueur „Eichörnchenparadies“ macht die eigene, ausgefeilte Gewürzzusammenstellung den Unterschied.

Apropos Walnussliqueur: Wer diese Spezialität kostet, fängt automatisch mit dem Kauen an und meint, dabei die Nüsse knacken zu hören. Der Schwarze Johannisbeerliqueur ist dagegen einfach nur feinherb-beerig und trotzdem dezent süß. Wer an „Rotkäppchens Traum“ schnuppert, findet sich gedanklich auf einmal in einem frühsommerlichen Erdbeerfeld wieder. „Bei uns erlebt auch 'Kir Royal' seine Auferstehung“, erklärt Johannes Gehrig. „Unser Apfelweinsecco mit einem kräftigen Schuss Erdbeerliqueur hält dem Vergleich locker stand.“

Wer sich in die Verkaufsstelle der historischen Hofreite aus dem 17. Jahrhundert begibt, wird kulinarisch gleich mehrfach verführt. Monica Gehrig-Himmel lässt dort ganz absichtsvoll mal ihre Marmeladen kosten. Die sind teils ganz „nüchtern“, teils beschwipst. „Mein Reich ist die Welt der natürlichen Fruchtaufstriche“, erklärt sie.

Johannes und Monica führen auf Wunsch sehr gerne Tastings ihrer Produkte durch. Das sind unvergessliche Veranstaltungen und Möglichkeiten, Familien- oder Betriebsfeste mal ganz anders in urigem Rahmen zu feiern.

In Wort und Bild lässt sich nur eingeschränkt wiedergeben, was auf den Freund regionaler Früchte teils „spirituell“, teils ohne Geist, im Grasellenbacher Ortsteil Litzelbach wartet. Am besten schaut man bei Familie Gehrig rein und probiert ausgiebig. Ganz sicher ist, dass man dann den Weg zu den beiden immer mal wieder finden wird.

Mehr Infos im Internet unter: www.odw-feine-braende.de

Text: Erik Erstfeld; Foto: Erik Erstfeld
Quelle: Odenwälder Kartoffelsupp

Wo der Hackbraten im Nachthemd kommt

Die Dorfschänke verbindet regionale Gastronomie und Kleinkunst

Frieda Schaab (10) spielt talentiert Klavier und zieht genauso geschickt dem Hackbraten sein Nachthemd an.

MITLECHTERN (er). Wenn man in der Dorfschänke im Rimbacher Ortsteil Mitlechtern einkehrt, fühlt man sich sehr schnell wie daheim. Familiär geht es bei den Wirtsleuten Ludwig und Ruth Schaab zu. Die vier erwachsenen Kinder und selbst Enkelin Frieda packen, wenn sie da sind, gerne mit an. Dabei geht alles völlig natürlich-ungezwungen und warmherzig zu. Da lässt sich der Gast gerne einbeziehen. Vielleicht ist das so, weil Schaabs auch ihre musische Ader pflegen und ihre Mitmenschen daran teilhaben lassen.

Gäste und Freunde lieben die SchaAbende im Alten Tanzsaal der Dorfschänke, bei denen praktisch die ganze Familie, unterstützt von wenigen „Dezugelafene“ mit Jazz, heimatlichem Liedgut, Soul und Rock für gute Stimmung sorgen. Ruth (Akkordeon und Gesang), Tochter Susanne und ihr Mann Matthias (beide professionelle Trompeter), Sohn Michael (E-Bass, Kontrabass und Gitarre), Tochter Marina (Gitarre) und Enkeltochter Frieda (Gesang und Klavier) harmonieren eben nicht nur gastronomisch sondern auch musikalisch. Sohn Philipp steuert zu diesen Gelegenheiten gerne Lyrik und Gedichte aus eigener Feder bei. Im Februar dieses Jahres ist sein erstes Buch „Gewitterdämmerung: Gedichte über Welt- und Sonnenuntergänge“ veröffentlicht worden. Literaturkritiker attestieren ihm bei sensiblen Inhalten Bildbrachialität und Sprachgewalt und loben die formelle Perfektion bei Versmaß und Metrik. Und das, obwohl bei Schaabs breitester Odenwälder Dialekt gepflegt wird.

Und da sind wir schon bei der Speisekarte, auf der „Kochkees“ und „Handkees“, „Geräischde unner de Zudeck“ und „Gsorrene mit Schmeerkees“ um die Gunst der Gäste buhlen. Kenner und Liebhaber der Schaab'schen Küche können sich nicht einigen, ob die „Gebackenie Blutworschd“ oder der „Hackbroore im Noachthemm“ die eigentliche kulinarische Attraktion der Küche in Mitlechtern ist. So viel sei an dieser Stelle mal verraten: Bei Letzterem handelt es sich um einen leckeren Hackbraten aus eigener Herstellung, dem in Form gebratener Zwiebeln und dem von Ruth Schaab liebevoll zubereiteten Kochkäse ein „Nachthemd“ angezogen wird. Die perfekte Kombination! Das Votum des Verfassers dieser Zeilen ist deshalb eindeutig.

Und dann natürlich der Ebbelwoi. Etwa 300 Apfelbäume stehen bei Familie Schaab auf der Obstwiese, davon sind rund 80 schon 100 und mehr Jahre alt. Die etwa 50 unterschiedlichen alten Apfelsorten bieten eine einzigartige Vielfalt, die sich im Hauschoppen entfalten kann. Und das Schöne dabei: Bei jedem Besuch der Dorfschänke schmeckt der Apfelwein, je nachdem welches Fass angezapft wurde, ein bisschen anders. Apfelwein ist ein Naturprodukt, das eben variiert. Gerade das begeistert ja den eingefleischten „Ebbelwoigeschworene“.

Wer gelebte Odenwälder Kultur erleben möchte, dem sei ein Besuch der Dorfschänke bei Familie Schaab angeraten. Und so viel ist sicher: Es wird nicht bei nur einem Besuch bleiben.

Text: Erik Erstfeld
Quelle: Odenwälder Kartoffelsupp

Von allen guten Geistern heimgesucht

Bei Thomas Göbel gibt es gleich elf verschiedene Apfel- und Apfelweinbrände

Thomas Göbel heizt in seiner Brennanlage der Maische gefühlvoll ein. Erst nach einem Jahr wird das Destillat dann in Flaschen abgefüllt.

Reinheim (er). Umgangssprachlich sind manche Menschen von allen guten Geistern verlassen. Bei Thomas Göbel ist es umgekehrt, er ist von allen - na ja fast allen - guten Geistern heimgesucht. Die Rede ist von Spirituosen. Gleich 56 Brände, davon 11 Apfel- und Apfelweinbrände, und 25 Liköre stehen auf seiner Preisliste. Seine Obstbrennerei ist ein wahres Eldorado für Liebhaber feiner Brände und edelsüßer Liköre.

Es ist eine Freude, Thomas Göbel bei der Arbeit zuzuschauen. Er arbeitet nach alter Tradition auf Holzfeuer, mit Alkoholspindel, mit feinem Geruchssinn und natürlich nach Geschmack. Viele Worte sind nicht sein Ding, dafür verlangt das Destillieren dem Obstbrenner zu viel Fingerspitzengefühl und Konzentration ab. Wenn es Göbel dann gelingt, aus der Obstmaische geschmacklich das Optimum rauszudestillieren, übertragen sich wie von selbst die Zufriedenheit und das Glücksgefühl des Destillateurs auf den Beobachter.

Grundlage aller Göbel'schen Apfelbrände ist das Obst der Streuobstwiesen im Odenwald. Die Qualität des Brandes hängt entscheidend von der des Ausgangsstoffes ab. Das Obst muss vollreif und gleichzeitig frisch sein. Die Äpfel werden zunächst fein zerkleinert und dann für drei Monate unter Zugabe von Reinzuchthefen in Gärfässer gegeben. Einmal in der Woche wird das Ganze dann umgerührt. Nach einem Vierteljahr ist der Gärprozess abgeschlossen und Thomas Göbel freut sich schon darauf, die Destille anzuheizen.

Das mit rund 65% vol. Alkohol hochprozentige Ergebnis lagert mindestens ein Jahr und wird erst dann mit entkalktem Wasser auf eine Trinkstärke von 40% vol. gebracht. Bis zu diesem Schritt verläuft die Herstellung aller Apfelbrände identisch, abgesehen natürlich vom Apfelweinbrand, bei dem der Wein und nicht die Maische destilliert wird. Fünf der elf Apfelbrände, darunter alle sortenreinen Variationen, werden dann noch vier bis acht Wochen auf Eichenholz gelagert, um dem Destillat eine feine Barriquenote zu verleihen. Göbel verwendet dazu nur frisches und kein geflämmtes Holz. „Geflämmtes Holz wäre zu dominant und würde den Brand zu rauchig werden lassen“, erklärt Göbel diese Entscheidung. „Das Fruchtaroma, für das meine Brände stehen, würde überdeckt werden.“

Eine besondere Spezialität der Obstbrennerei Göbel ist der Apfel Gold Brand. Das ist ein Apfelmischbrand, der noch mal mit frischen Äpfeln angesetzt wird. Dabei kann sich die Frucht im Brand herrlich entfalten. Wie sein Name schon sagt, bekommt der Apfelbrand dabei eine goldgelbe Farbe. Der Apfel Gold Brand schmeckt lieblich-fruchtig und deutlich milder als seine 40% vol. Alkohol vermuten lassen. Die Fruchtsüße kommt nur von den Äpfeln, damit ist der Apfel Gold Brand auch für Diabetiker als Alternative zum Likör geeignet.

Thomas Göbel hat mit diesen Informationen nicht alles über diese Spezialität verraten. „Das Destillieren ist schon immer mit Geheimnissen und auch ein bisschen Mystik verbunden“, sagt der Obstbrenner augenzwinkernd. „Die natürliche Rezeptur des Apfel Gold Brandes wurde von uns über Jahre entwickelt, im weiten Umkreis gibt es nichts Vergleichbares.“

Verena Göbel führt den Brennereiladen. Es bereitet ihr Freude, den edlen Spirituosen ein angemessenes Äußeres zu verleihen, sie stilvoll zu verpacken oder gleich hübsche Präsentkörbe zu erstellen. An die Leser der Odenwälder Kartoffelsupp gerichtet, meint sie: „Ich würde mich freuen, Sie demnächst hier in Reinheim in Sachen Brände und Liköre beraten zu dürfen. Vielleicht kommen Sie ja auch mal zu einer Brennereibesichtigung.“ Ja, worauf noch warten?

Obstbrennerei Göbel
Kirchstraße 67
64354 Reinheim
Tel.: 06162/8 23 76

Text: Erik Erstfeld; Foto: Erik Erstfeld
Quelle: Odenwälder Kartoffelsupp

Lässiger Luxus im Glas

Der Apfelschaumwein von Bembel-With-Care ist jetzt dauerhaft im Programm

Der Schaumwein von Bembel-With-Care schmeckt jung, mild-trocken und besticht durch seine fruchtige Apfelnote.

Mannheim (er). Champagner ist zu dekadent, Sekt zu spießig? Aber prickeln soll es trotzdem, in jeder Hinsicht. Für alle, die tollen Geschmack und das Außergewöhnliche lieben, haben die Apfelweinrebellen von Bembel-With-Care ab sofort wieder ihren mehrfach prämierten Apfelschaumwein im Angebot.

Benedikt Kuhn wurde der Bembel quasi schon in die Wiege gelegt. Um so überraschter war er, als er während seines Studiums ständig auf Altersgenossen stieß, die noch nie Apfelwein getrunken hatten oder sein Lieblingsgetränk für restlos altmodisch hielten. „Es wurde mir schnell klar, dass es vor allem an der Art, wie sich der Apfelwein darstellte, liegen musste. Mein Lieblingsgetränk verdiente eine bessere öffentliche Meinung und höhere Wertschätzung“, erinnert sich der Kommunikationsdesigner.

Schnell überschlugen sich bei dem Kreativen die Ideen. Aus vorgestern sollte übermorgen werden. Das Traditionsgetränk mit dem angestaubten Image musste einfach einen angemessenen Umgang erfahren. In Anlehnung an die international übliche Aufforderung „Handle with care (sorgsam behandeln)!“ wurde der Slogan „Bembel with care!“ geboren. Gemeinsam mit einem Studienkollegen entwickelte Benedikt die Apfelwein-Kultur 2.0. Er wollte weg von der klassischen braunen Apfelweinflasche, weg von den blaugrauen Blumenmustern aus Uromas Zeiten, weg von bunten Aquarellbildern, weg vom Altherren-Getränk, hin zu einem klaren, frechen, starken und unverkennbaren Erscheinungsbild.

Jetzt musste noch eine Kelterei gefunden werden, die bereit war, das neue Design mit Inhalt zu füllen. Bei Stefan Krämer von der gleichnamigen Kelterei in Beerfurth rannte Benedikt Kuhn weit offene Türen ein. „Ich wollte keinen alten Wein in neue Schläuche füllen und kreierte gleich einen typischen, unverwechselbaren Bembel-With-Care-Apfelwein für eine jüngere Zielgruppe“, erinnert sich Stefan. „Der ist deutlich milder, verfügt über spritzige Kohlensäure und hat noch ein bisschen Restsüße“.

Vor zwei Jahren betraten Benedikt und Stefan schließlich edles Terrain. In kleiner Edition brachten sie ihren ersten mild-trockenen Apfel-Sekt mit einer frischen, fruchtigen Apfelnote und feiner Perlung auf den Markt. Die Käufer wussten nicht, wofür sie sich mehr begeistern sollten – den einzigartigen Geschmack oder die schwere, matt-schwarz lackierte Sektflasche mit Naturkorken und schwarzer Agraffe. Ein Jahr später folgte als Highlight der Barrique-Sekt. Beide Kreationen wurden noch vor Markteinführung 2013 und 2014 mit dem 'Pomme D'Or' (Apfelwein Innovationspreis) ausgezeichnet.

Dieser Apfelschaumwein enthält als reines Naturprodukt aus den Äpfeln von Odenwälder Streuobstwiesen keinerlei Konzentrate, Zusatzstoffe oder Süßungsmittel. Benedikt Kuhn kommentiert: „Für alle, die bei den anstehenden Weihnachtsfeiern und Silvesterpartys gerne mal eine Abwechslung zu Sekt, Champagner oder Prosecco genießen möchten, ist unser Apfelschaumwein genau das Richtige. Da er zu wirklich jeder Jahreszeit schmeckt, haben wir uns entschieden, ihn dauerhaft in unser Sortiment aufzunehmen.“

Zu kaufen sind die Produkte von Bembel-With-Care im gut sortierten Getränkefachmarkt, in Supermärkten sowie online in der Bembelzone unter www.bembel-with-care.de.

Text: Erik Erstfeld; Foto: BWC
Quelle: Odenwälder Kartoffelsupp

Wenn sich die Gräfin von Paris mit dem Winterprinzen vermählt

Apfelwein-Verführung mit herbstlichem Apfel-Büfett in Treuschs Johanns-Stube

Beim Apfelwein-Tasting in der Johanns-Stube werden alle Sinne angesprochen. Auch das Auge isst und trinkt mit.

REICHELSHEIM (er). Je mehr Apfelsorten sich im Most befinden, desto besser wird der Schoppen und ein Apfelwein sollte seinen Geburtstag nicht erleben. So lauten zwei häufig kolportierte Binsenweisheiten, die nicht ganz verkehrt, aber auch nicht ganz richtig sind. Richtig ist, dass wenn sich viele unterschiedliche Apfelsorten im Ebbelwoi ein Stelldichein geben, sie mögliche Fehler in der Sensorik gegenseitig ausgleichen können. Richtig ist auch, dass Apfelwein aufgrund seines niedrigeren Alkoholgehaltes nicht ganz so haltbar ist wie sein Vetter aus den Reben. Junge säurebetonte und gerbstoffhaltige Apfelweine können aber noch kräftig „pubertieren“. Im Alter von drei bis vier Jahren entfalten sie dagegen häufig den Reiz gereiften Alters.

Der Reichelsheimer Armin Treusch ist Gastronom, Apfelwinzer und Buchautor. Ihn trieb vor einigen Jahren die Frage um, wie die alten Apfel- und Birnensorten, die auf seiner Obstwiese wachsen, schmecken würden, wenn er sie wie Traubenwein und sortenrein ausbauen würde. Also experimentierte er und erzielte zunächst geschmacklich und qualitativ recht unterschiedliche Ergebnisse. „Sehr schnell lernte ich, dass die Herstellung von sortenreinen Apfel- und Birnenweinen äußerste Sorgfalt erfordert“, berichtet Treusch. Elementar wichtig ist es, den richtigen Erntezeitpunkt herauszufinden, damit das Lesegut den optimalen Reifegrad aufweist. Der feinwürzige Prinzenapfel darf beispielsweise nicht zu spät geerntet werden, damit er noch ausreichend Säure hat. Der Boskoop hingegen muss vollreif in die Kelter, nur dann verfügt er über das gewünschte Verhältnis von Fruchtzucker und Apfelsäure. Bei der aromatischen Goldparmäne ergibt eine frühe Ernte eine pikante Fruchtsäure im Gegensatz zur späten Ernte mit feinem Nuss- und Backapfelaroma. Riesling- oder Steinberghefen helfen bei der Vergärung des Mostes, beim Rheinischen Bohnapfel überlässt Treusch die Arbeit auch gerne mal den ohnehin im Apfel vorhandenen Hefen. Man spricht da von einer Spontangärung.

Armin Treusch bereitet es große Freude, seine Apfelweinphilosophie und sein Wissen über die Herstellung sortenreiner Apfelweine und interessanter Cuvées weiterzugeben. Natürlich nicht nur theoretisch sondern auch ganz sinnlich. Er veranstaltet deshalb am Samstag, dem 8. November, in seiner Johanns-Stube ab 18 Uhr ein Apfelweintasting. Dann wird Treusch zunächst acht seiner Apfelweine vorstellen, die schließlich paarweise verkostet werden. Ein kräftig-würziger Rheinischer Bohnapfel aus dem Jahr 2014 mit herzhafte Tanninen, reifem Apfel- und Aprikosenaroma wird dann mit einem Wein derselben Sorte aus dem Jahr 2009, der über milde Säure, gute gereifte Tannine und feines Backapfelaroma verfügt, verglichen. Die Teilnehmer dürfen auch auf den säurebetonten und herzhaften Reichelsheimer Weinapfel, dem Riesling unter den Äpfeln, gespannt sein. Interessant ist auch immer eine Mischung aus Apfel und Birne. Wenn sich die Birne Gräfin von Paris mit dem Winterprinzenapfel vermählt, kommt ein leichter Wein mit mild-fruchtiger Säure und feinem Apfel-Birnen-Aroma zum Vorschein.

Nach der Verkostung werden die Teilnehmer in den Genuss des Odenwälder Vorspeisentellers mit Bauernschinken, Apfel-Selleriesalat, Aufschnitt vom Wurzelfleisch mit Apfel-Meerrettich-Vinaigrette und Terrine von der Bauerngans mit Kürbis-Apfel-Chutney kommen. Das Büfett lockt sodann mit Treuschs Ebbelwoi-Hinkelsche, Odenwälder Keltererbraten vom Landschwein, hausgemachter Kartoffelbratwurst auf Apfelwein-Sauerkraut, Hüttenthaler Lachsforelle mit Apfel-Meerrettich-Kruste sowie Himmel un‘ Erd‘ mit gebratener Blutwurst. Zum Dessert gibt es Apfelschmand-Creme, gebackene Apfelkrapfen und ApfelGerry-Sorbet.

Wer will sich das entgehen lassen? „Interessenten melden sich am besten gleich an“, empfiehlt deshalb Armin Treusch.

Text: Erik Erstfeld; Foto: Armin Treusch
Quelle: Odenwälder Kartoffelsupp

Wahrer Genuss ist meist einfacher Natur

Im Rebstock harmonieren hausmacher Brot, Wurst, Kochkäse und Apfelwein

Matthias Fleischmann stärkt sich auf seiner Terrasse für den Ansturm der Gäste.

FÜRTH/STEINBACH (er). Matthias Fleischmann erlebt immer wieder, dass seine Gäste von weit her anreisen. Wegen Brot, Wurst, Kochkäse und Apfelwein. Und natürlich wegen der urgemütlichen Terrasse und dem ganz besonderen Ambiente in den Gästeräumen. An einem Abend während der kalten Jahreszeit im Kaminzimmer bei heißer Wurst- oder Kartoffelsuppe mit kräftig gebackenem Brot kann der Gast die Seele so richtig baumeln lassen.

Aber was ist das Besondere an der Küche des „Rebstock“ in Fürth-Steinbach? „Vielleicht ist es die Konzentration auf das Wenige und der Verzicht auf Schnickschnack“, meint der Wirt. Familie Fleischmann ist in guten und in über Jahrzehnte bewährten Traditionen verwurzelt. Die Speisekarte ist recht klein. Hier sucht man vergeblich nach Pommes frites, Kroketten oder selbst Bratkartoffeln.

„Als Beilage reichen wir Brot“, sagt Fleischmann. Aber was für ein Brot! Das backt er vier Mal in der Woche in Zweikilolaibern im eigenen Steinofen. Das Sauerteigbrot aus reinem Roggenmehl bleibt so lange im Ofen, bis die Kruste fast schwarz ist. Nur dann kommen die Röstaromen beim Genuss zum Tragen. Jeder Backvorgang ist für Matthias Fleischmann ein Tanz mit der „launischen Diva“, wie er den Sauerteig humorvoll nennt. Sind die Außentemperaturen kalt, dauert der Backvorgang länger. Aber auch Veränderungen in der Luftfeuchtigkeit müssen beim Backen berücksichtigt werden.

Fleischmann weiß nicht, wie lange in seiner Familie schon Brot gebacken wird. Im Jahr 1867 bekamen seine Vorfahren die Konzession für die Gastwirtschaft, aber bereits viel früher wurde hier der Ofen angeworfen und Brotlaiber hinein geschoben. Gerne erinnert er sich an seine Großmutter, die ihm das Brotbacken beigebracht hat. „Dann sehe ich sie vor mir, wie sie mit einer Tür auf dem Schubkarren in Brotkörben den Teig zum Ofen, der früher hinter dem Haus gestanden hatte, fuhr“, lacht Matthias Fleischmann.

Überhaupt macht man im Rebstock nahezu alles selbst. „Wir verbringen so viel Zeit für die Herstellung unserer Gerichte wie für die Gastronomie“, erzählt der Wirt. Für die Wurst verwendet Familie Fleischmann nur reine Gewürze wie Pfeffer, Muskat, Nelken und Majoran. Fertige Gewürzmischungen oder sogar Geschmacksverstärker sind tabu. Sehr beliebt ist auch der Kochkäse, den viele Gäste nach dem Besuch des Gasthauses zusammen mit einem Laib Brot nach Hause mitnehmen. Den Handkäse mit feinem Rotschimmel, eine köstliche und seltene Spezialität, bezieht Fleischmann allerdings von einer Molkerei aus Weiher.

Apfelweinliebhaber schätzen gerade auch den Schoppen, der in Steinbach ausgeschenkt wird. Der ist völlig vergoren und nahezu ohne Restzucker, sehr mild und feinherb, leicht, aber keinesfalls flach bei etwa 7 %vol Alkohol. Die Äpfel zum Wein stammen von der eigenen Obstwiese, der Wein reift in Edelstahltanks zwei Jahre, bis er in den Ausschank kommt.

Brot, Wurst, Kochkäse und Apfelwein aus Fürth-Steinbach sind vier schmackhafte Argumente dafür, immer mal wieder im Gasthaus „Zum Rebstock“ einzukehren und es sich dort gutgehen zu lassen.

Text: Erik Erstfeld
Quelle: Odenwälder Kartoffelsupp

Der „Komponist“ der Schoko-Trüffel

Die Adventszeit ohne Trüffel von Erich Schmunk wäre wie …

Erich Schmunk beim „Komponieren“. Ein bisschen hiervon, ein bisschen davon – und fertig ist die Symphonie.

Odenwald (er). Man trifft ihn auf allen Bauern-, Oster- und Weihnachtsmärkten an und fragt sich, wie er es nur schafft, überall präsent zu sein. Die Rede ist von Erich Schmunk (57), in ganz Südhessen und darüber hinaus bekannt als „Trüffel Schmunk“. Während der Adventszeit wird man seine unvergleichbaren Schokoladenspezialitäten auf den Weihnachtsmärkten in Eberstadt, Lichtenberg, Neu-Ansbach im Hessenpark, Roßdorf, Reinheim, Groß-Umstadt und Fränkisch-Crumbach erwerben können. Klar, denn die Adventszeit ohne Trüffel von Erich Schmunk wäre wie … Diesen Gedanken wollen seine Kunden gar nicht erst zu Ende denken.

Schmunk entstammt einer Roßdorfer Bauernfamilie und wollte im zarten Alter von 14 Jahren Koch werden. Dieser Berufswunsch scheiterte an den Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes und den späten Arbeitszeiten in der Gastronomie. Also wich der Genussmensch in das verwandte Berufsbild des Konditors aus, im Darmstädter Café Petermann wurde er ausgebildet. „Eine glückliche Fügung“, meint er heute.

Im Jahr 1990 verkaufte Erich Schmunk das erste Mal selbstgemachte Schoko-Trüffel auf einem Weihnachtsmarkt. Er hatte damals mit den Klassikern Butter- und Rumtrüffel nur zwei Sorten im Angebot. Ein Jahr später waren es schon vier Märkte; es sollte nicht dabei bleiben. Bis heute produziert und vermarktet er seine kugeligen Pralinen in der gesamten Region.
Der Chocolatier „komponiert“ Schokoladentrüffel wie ein Tonkünstler Musikstücke. Während der Saison von Anfang September bis zum Muttertag führt er insgesamt 45 eigene Sorten mit und ohne Alkohol, außerdem stellt Erich Schmunk noch etliche Pralinen für Winzer und Brennereien her. Am besten gehen aber immer noch die Klassiker wie Butter, Rum, Grand Marnier, Weinbrand und Rahm-Karamelle. Zwei seiner Köstlichkeiten - die Chili- und Curry-Trüffel - gibt er nur nach vorheriger Warnung ab. Der Meister selbst erwärmt sich vor allem für Amaretto und Karamelle.

Soweit möglich bezieht der heimatverbundene Konditor seine Zutaten aus der Region. Auch seine Verwurzelung in der Landwirtschaft macht sich bemerkbar. Kirschen, Birnen, Äpfel und Pflaumen wachsen im Garten der Familie. Das Obst maischt Schmunk selbst und gibt es dann zur Obstbrennerei Göbel nach Reinheim. Die Destillate finden sich dann in der Füllung seiner Trüffel wieder. „Ich stelle aber keine Schnapspralinen her“, betont Schmunk, „die Füllung ist immer cremig“.

Und wie isst man einen Schoko-Trüffel? Erich Schmunk empfiehlt, ihn leicht gekühlt bei einer Temperatur von 14 bis 16° zu genießen. „Zuerst sollte er nur zu einem Drittel aufgebissen werden. Ein Qualitätsmerkmal bei diesem ersten Biss ist das Knacken“, führt der Chocolatier aus. „Danach wird der Rest der Schokoladenhülle genussvoll ausgeleckt. Die Zutaten der Füllung können so rausgeschmeckt werden. Die restliche Schokoladenhülle rundet dann das Geschmackserlebnis ab.“

Schokoholiker und andere Genießer können die Trüffel von Schmunk das ganze Jahr über auch bei Optik Weber in der Marktstraße 20 in Groß-Bieberau erwerben. Am besten vorher anrufen (Tel.: 06162/36 54).

Text: Erik Erstfeld; Foto: Erik Erstfeld
Quelle: Odenwälder Kartoffelsupp

Annelsbach schreibt Apfelweingeschichte

Großer Jubel - zweimal den Pomme d'Or 2015 errungen!

Carola und Peter Merkel auf der Sommerwiese des „Dornrös'chen“ mit ihren beiden prämierten Apfelweinen.

HÖCHST-ANNELSBACH (er) Der Verein Apfel-Compagnie zeichnete am 11. April zum siebten Mal die besten Apfelweine Europas mit dem „Pomme d’Or“ aus. Die Verleihung fand im Rahmen einer festlichen Apfelwein-Soirée im Grandhotel Hessischer Hof in Frankfurt statt. Mit dieser Veranstaltung leistet die Apfel-Compagnie einen wesentlichen Beitrag, das Ansehen der unterschiedlichen Apfelweingattungen weltweit zu steigern.

Die unterschiedlichsten Produkte aus Deutschland, Irland, Dänemark, Norwegen, Litauen, Spanien, Frankreich, Italien und den Niederlanden waren zur Degustation eingereicht worden. Eine Gruppe von professionellen Degustatoren ermittelte nach den Bewertungskriterien der Sommelier-Union aus über 110 Apfelweinen und -sekten das diesjährige Ergebnis.

Mit seinem besonderen Apfelwein-Experiment "Sommergoldparmäne mit Bürgstädter Rote" und seinem Apfeldessertwein "ZIDER Apfelwiese lieblich" konnte Peter Merkel, „Apfelweinprofessor“ und Wirt des Dornrös'chen in Annelsbach, bei dieser wichtigsten Produktprämierung für Apfelweine Europäischer Hersteller gleich zwei Mal den Pomme d'Or 2015 entgegennehmen.„Ein wahrhaftiger Adelstitel!“, freuen sich Peter und Carola Merkel.

Text: Erik Erstfeld; Foto: Erik Erstfeld
Quelle: Odenwälder Kartoffelsupp

Der Schoppe Schorsch lädt zum Kelterfest

Die Kelterei Dölp hat einen neuen Mitarbeiter und eine neue Produktlinie

BRENSBACH (er). Die Traditionskelterei Dölp in Brensbach hat in diesem Jahr 140stes Firmenjubiläum. Angefangen hat alles mit Johannes Dölp, als der 1875 seinen Gastbetrieb um eine eigene Brauerei, Küferei und Brennerei erweiterte. Als Sohn Leonhard Dölp aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrte, bewogen ihn die vielen blühenden Apfelbäume im sonnigen Gersprenztal dem Hopfen untreu zu werden und die Brauerei in eine Kelterei umzuwandeln. „Genau die richtige Entscheidung!“, meinen Matthias Dölp und Stefan Lampert. Mit diesen Beiden besteht das Traditionsunternehmen jetzt in der fünften Generation.

Natürlich war es keine Frage, dass das Jubiläum ausgiebig mit einem großen Sommerfest am 11. und 12. Juli gefeiert wurde. Das Feiern hatten die Brensbacher schon mal im letzten Jahr während der Fußball-WM mit allen Mitarbeitern, Kunden sowie Fußball- und Apfelweinbegeisterten in der Apfelwein-Arena auf dem Betriebsgelände geübt. „Beim Eröffnungsspiel und bei allen Spielen der deutschen Mannschaft war Public-Streaming angesagt!“ erzählen Matthias Dölp und Stefan Lampert in Rückblick. Für die super Stimmung hatten nicht nur die fulminante Leistungen der deutschen Mannschaft, sondern auch die verschiedenen Apfelweine gesorgt, die im Ausschank waren.

Da man in der Brensbacher Otzbergstraße nunmal so richtig in Feierlaune ist, wurde jetzt gleich für den 11. Oktober - mitten in der Keltersaison - noch ein Kelterfest angesetzt. Die Kelterei lädt dann von 11 bis 18 Uhr zum Schaukeltern und zu Keltereiführungen ein. Kulinarisch warten auf die Besucher des Festes Steaks und Würstchen und die legendäre Apfelbratwurst, die Metzger Kaffenberger in Nieder-Kainsbach extra für die Kelterei herstellt. Zum Kaffee gibt es Apfel-Streusel-, Kirsch-Streusel- und Streuselkuchen ohne Obstbelag. „So wie vor 140 Jahren“, lacht Matthias Dölp. „Und natürlich wollen wir dann auch unsere neuen Schoppe-Schorsch-Apfelweine den Gästen vorstellen“, ergänzt Stefan Lampert.

Apropos Schoppe Schorsch: So heißt der neue Mitarbeiter der Kelterei. Gesehen hat ihn noch niemand und er findet sich auch nicht auf der Gehaltsliste bei Dölp. Und doch ist er in aller Munde. Man muss ihn sich als etwas knorrigen, zupackenden Kerl, hemdsärmelig und immer mit Batschkapp vorstellen. „Ein Typ wie unser Apfelwein“, meint Stefan Lampert. „Der Schorsch war uns gleich so sympathisch, dass wir unsere neue Produktlinie nach ihm benannt haben“, erklärt Matthias Dölp. Und so gibt es den Schoppe Schorsch in der 0,33-Liter-Flasche pur, sauer und süß gespritzt, als Apfelwein-Cola und sogar alkoholfrei. Dölp und Lampert sind insbesondere gespannt, wie die süßgespritzte Variante von den Kunden angenommen werden wird: „Hier verwenden wir eine ganz spezielle naturtrübe Limonade, die dem süßen Schoppe Schorsch ein besonderes Aroma verleiht.“

Das Kelterfest am 11. Oktober ist die Gelegenheit, mal alle Produkte von Dölp vor Ort zu probieren. Die verschiedenen Apfelweine und Säfte warten darauf, verkostet zu werden. Matthias Dölp, Stefan Lampert und natürlich Schoppe Schorsch freuen sich auf zahlreiche Gäste und Besucher.

Text: Erik Erstfeld; Fotomontage: Tobias Erstfeld
Quelle: Odenwälder Kartoffelsupp

Auf den Festen der Kelterei Dölp treffen sich in entspannter Atmosphäre nette Menschen, um zu genießen und zu plauschen.

Gesucht: Hans Kasper

Die Streuobstwiesenretter fahnden nach alten Obstsorten

Florian Schumacher und Martin Schaarschmidt vor einem Mohrenkirschbaum, auch Schwarzer Falter oder Landele genannt. Es ist schon etliche Jahre her, dass dieser Baum getragen hat. Er ist tot und doch voller Leben. Vögeln, Insekten und Fledermäusen bietet er ein Zuhause.

BENSHEIM (er).Zuletzt gesehen wurde Hans Kasper in Rimbach, In der Hohl. Seit einem schweren Unwetter fehlt von ihm jedoch jede Spur. Ein Hinweis der Bevölkerung aus Mitlechtern, die ihn vor kurzem noch auf einer Streuobstwiese gesehen hat, führte bislang leider noch nicht zum gewünschten Erfolg. Für sachdienliche Hinweise, die zum Auffinden von Hans Kasper führen, haben die Streuobstwiesenretter eine Belohnung von insgesamt 100 Liter Apfelsaft und Apfelwein von unseren heimischen Streuobstwiesen ausgesetzt.

Diesen „Steckbrief“ findet man auf der Hoempage der Streuobstwiesenretter. Hans Kasper ist eine alte Apfelsorte, die im Odenwald früher weit verbreitet war und zurzeit verschollen ist. Ein Fall für Martin Schaarschmidt, Florian Schumacher, Benedikt Kuhn und Marco Daub, die mittlerweile erste Hinweise auf noch existierende Exemplare von Hans Kasper erhalten haben. Die vier jungen Naturfreunde haben im Herbst 2011 die Initiative Streuobstwiesenretter als vereinsunabhängige und kreisübergreifende Plattform für den Erhalt der Streuobstwiesen ins Leben gerufen. Hier werden vor allem Jugendliche, junge Erwachsene sowie Familien mit Kindern für diese vielfältige und wichtige Thematik begeistert. Organisatorisch sind die Streuobstwiesenretter beim Naturschutzverein Einhausen e.V. eingegliedert.

Der Öffentlichkeit wurde die Idee des aktiven Naturschutzes am 3. Dezember 2011 mit einer Pflanzaktion von sechzehn Bäumen auf dem Wambolder Sand in Bensheim mit privaten Baumpaten und Baumpatenschaften von Vereinen und einem Kindergarten vorgestellt. Hier stehen auf acht Hektar Land mittlerweile 250 Altbäume sowie rund 100 junge Pflanzungen, fast ausschließlich lokale und regionale Sorten. Geerntet werden Äpfel, Birnen, Kirschen, Birnen, Zwetschgen, Mirabellen, Mandeln, Mispeln, Aprikosen, Quitten und Speierlinge. In den Bäumen tummeln sich u.a. Grün-, Bunt- und Schwarzspechte, Wendehälse, Rotkehlchen und Goldammern. In alten, schon längst gestorbenen Bäumen haben sich Fledermäuse eingemietet.

 Der Kulturbiotop Streuobstwiese ist mit seinem enormen Tier- und Pflanzenartenreichtum auf die ständige Pflege durch den Menschen angewiesen. Ohne den Menschen können Streuobstwiesen weder entstehen, noch bleiben sie dauerhaft erhalten. Da der Anbau von Obst dort dem monokulturellen Anbau wirtschaftlich unterlegen ist, gingen in den letzten 60 Jahren bereits mehr als 75 Prozent der Obstwiesen verloren. Die negativen Folgen für die biologische Vielfalt in Fauna und Flora sowie für das Landschaftsbild sind offensichtlich. Dabei ist es relativ leicht, einen Beitrag zum Erhalt der heimischen Obstwiesen zu leisten. Bereits jeder Kauf von natur- und umweltverträglich erzeugten regionalen Produkten wie beispielsweise Saft aus Äpfeln der Region ist eine Hilfe.

Mit ihren Aktivitäten und Projekten wie z.B. Baumpatenschaften, dem Streuobstrettungsweg sowie Sorten- und Produktausstellungen gelingt es den Streuobstwiesenrettern das Interesse der Öffentlichkeit zu wecken und die Bedeutung dieser bedrohten Kulturlandschaft für den Odenwald aufzuzeigen. Auf ihrer Homepage geben sie gebündelt Informationen rund um das Thema Streuobst weiter, um so die Anlage und Pflege der Obstwiesen sowie die Verwertung und den Erwerb von Streuobst zu vereinfachen.

Die Streuobstwiesenretter sind permanent auf der Suche nach alten regionalen Obstsorten, die teilweise von Ort zu Ort ganz unterschiedlich bezeichnet werden, um sie auf dem Wambolder Sand wieder anzupflanzen. Aktuell suchen sie

Apfelsorten: Glasapfel, Heppenheimer Renette, Herzapfel, Kalbfleischapfel (auch Odenwälder Borsdorfer und Engelsberger Borsdorfer genannt), Kleine Grüne Schafsnase, Odenwälder (nur Altbäume sind hier interessant), Odenwälder Schafsnase (Chausseeapfel, Röwesapfel), Schickenapfel, Zotzenbacher.

Birnensorten: Brumbirne (Brombirne, Senfbirne), Darmstädter Bergamotte, Engelsbirne, Grüne Tafelbirne, Hausemerbirn (Sandbirne), Michelsbirne, Ochsenbirne (Muskatellerbirne, Osterbergamotte, Offiziersbirne), Odenwälder Weinbirne (Lengfelder Weinbirne), Tellerbirne, Vöckelsbacher Weinbirne, Weißbirne.

Kirschensorten: Dossenheimer Frühkirsche, Elsners Kirsche, Eltonkirsche (Süßweichsel), Frühe Oberländer, Gaiberger Kirsche (nicht Gaiberger Späte), Handschuhsheimer, Nägeliskirsche, Röscherskirsche, Schneiders Frühe, Schwarze Oberländer

Die Streuobstwiesenretter sind für jede Information darüber, wo diese alten Obstsorten zu finden sind, sehr dankbar. Infos bitte an: E-Mail: info@streuobstwiesenretter.de oder telefonisch unter 0179/4 66 01 28 oder 0170/8 66 48 90.

Weitere Informationen über die Initiative unter: www.streuobstwiesenretter.de

Text: Erik Erstfeld
Quelle: Odenwälder Kartoffelsupp

Zeugnisse der flüchtigen Noten im Angebot

Brennerzertifikat vom Kreiswald kommt prima an

Hilfreich, edel und gut sei nicht nur der Mensch, wie Goethe einst sagte. Diese Eigenschaften erfüllen auch die Edelbrände des Gerhard Fritz vom Gasthaus „Kreiswald“ bei Rimbach. Hier testet der Meister die Qualität eines Destillates.

RIMBACH / KREISWALD (mng.)  Flüchtige Noten – da würde manch Schüler Jubelsprünge machen! Doch auch im Gasthaus „Zum Kreiswald“ sieht man bisweilen Herrschaften hüpfen. Und zwar immer dann, wenn sie ihr Zertifikat über die leicht flüchtigen Stoffe erhalten haben, das Brenner Gerhard Fritz als Qualifizierung seinen Gästen ausstellt. Nach vielfältigen Fragen zu den Bränden und praktischen Übungen der angenehmen Art, dürfen die Gäste ihr persönliches Edelbrennerzertifikat in Empfang nehmen.

Edel, hilfreich und gut sind die Erzeugnisse der traditionsreichen Destille, denn lediglich beste Früchte von den eigenen Obstwiesen wandern in den Kessel. Glockenapfel, Kreiswälder Boskoop, Bohnapfel, Quitte und andere Hervorbringungen der lokalen Natur werden so verfeinert.

Wer in das Metier eingeführt werden möchte, muss sich bei Gerhard Fritz zuvor anmelden. Denn die Nachfrage ist immens. Drückt doch dieses Zertifikat nicht nur die Teilnahme am Seminartag, sondern auch die Verbundenheit mit der Region aus.

Seit 1866 sind auf dem Kreiswald die Brennrechte dokumentiert, die Familie Fritz ist seit 1806 dort ansässig. Kulinarische Grenzen kennt man im gemütlichen Lokal nicht. Der Inhaber ist gelernter Küchenmeister und weiß, was schmeckt. Dass dabei regionale Speisen einen besonderen Stellenwert genießen, adelt den emsigen Edelbrenner. Sortenreine Apfelbrände sind sein Faible. Mit der goldenen Flasche erhält man den begehrten Ritterschlag, doch zuerst darf man sich im besten Sinne in der Brennerei durch ein Vier – Gänge – Menü kämpfen und eine Verkostung der Erzeugnisse vornehmen. Man muss übrigens kein Nibelungenfachmann sein, um einen Nibelungenflachmann zu erwerben! Eine schöne Geschenkidee, die Gerhard Fritz da vorhält.

Übrigens: Wem es auf dem Kreiswald gut schmeckt, wer die flüchtigen Noten der Brände verinnerlicht hat und gerne gelassen ruhen möchte, der findet hier beflügelnde Stille und bei Gerhard Fritz die passende Ferienwohnung! Aber Vorsicht: Bleibetendenz und Besucherfrequenz zuvor bitte abgleichen. Denn das Gasthaus „Zum Kreiswald“ in seiner herrlichen Lage, gekoppelt mit der Freundlichkeit und dem trockenen Mutterwitz des Betreibers, kann ein Stück Heimat ersetzen! Mancher wird immer noch zu Hause vermisst.

Achtung: In den Wintermonaten ist das Gasthaus bis zum 27. Februar 2015 ab 17 Uhr werktags geschlossen. Wer feiern möchte, erhält aber Einlass. Und ist man erst mal angekommen, empfiehlt sich ein Blick in die Brennerei. Dazu muss man Gerhard Fritz nicht zweimal auffordern: „Ist Dein Herz auf Brand geeicht, wird von Fritz er Dir gereicht. Denn der klasse Kreiswaldbrenner ist ein absoluter Kenner. Hast Du dann den Schnaps genommen, wirst du sehr bald wiederkommen. Schließlich weckten Dir die Kräfte, Fritzens prima Edelsäfte!“

Text: Michael Lang; Foto: Erik Erstfeld
Quelle: Odenwälder Kartoffelsupp

Feinwürziger Apfelwein mit echtem Speierling

Richard Petermann verwendet die seltenen Früchte schon seit 50 Jahren

Richard Petermann mit einer Flasche Bachgauer-Gold-Speierling-Apfelwein und einem Zweig von einem Speierlingbäumchen seiner Obstwiese.

GROSSOSTHEIM (er). Der Speierling gehört zu den Rosengewächsen und wird in Ausnahmefällen bis zu 30 Meter hoch, sein Stammdurchmesser kann mehr als einen Meter betragen. Als der Speierling 1993 zum Baum des Jahres gewählt wurde, ahnte niemand, dass diese fast unbekannte und vom Aussterben bedrohte Baumart lebhaftestes und anhaltendes Interesse bei Medien und bei Baumfreunden finden würde. Mehrere hunderttausend Bäume wurden in den letzten 20 Jahren ausgebracht und das bei einem Altbestand zu Beginn der 90er-Jahre von gerade mal 4000 Bäumen in ganz Deutschland. Der Speierling benötigt wärmeres Klima und trockene, nährstoffreiche Böden. Er wurde wohl deshalb nie ein echter Odenwälder, wenn auch hier vereinzelt Bäume in den Himmel wachsen. Im benachbarten Unterfranken fühlt er sich dagegen wohl.

Die Liebe von Richard Petermann zum Speierling reicht bis in die Mitte der 60er-Jahre zurück. Ein Mitarbeiter der Stadt Aschaffenburg machte damals den Kelterer aus Großostheim darauf aufmerksam, dass sie drei große Speierlingbäume hätten, deren Früchte von niemandem geerntet würden. Man einigte sich auf eine Pacht von jährlich 15 DM, die sich seit der Währungsumstellung auf 7,50 Euro beläuft. Petermann erntet hier Jahr für Jahr zwischen dem 20. und 30. September zwischen vier und 15 Doppelzentner Speierling. Das, was sich zunächst wie ein Schnäppchen anhört, ist doch recht kostspielig. Von einem Privatunternehmer muss sich Familie Petermann für die Ernte eine 25 Meter hohe Hebebühne leihen, um an die oft in schwindelnder Höhe hängenden Früchte zu kommen, die dem Bachgauer-Gold-Speierling-Apfelwein die unverwechselbare Note bescheren.

Die Früchte sind im September noch unreif und haben noch einen extrem hohen Tanningehalt – genau richtig für einen Speierling-Apfelwein. Sie werden gesondert gekeltert und der Saft wird aufbewahrt, bis der Most spätreifer Äpfel im Oktober in den Tanks zum Rauscher wird, also die Gärung schon fortgeschritten ist. Erst dann wird der Speierlingsaft hinzugefügt. Nur ein bis zwei Prozent Anteil dieser sauren Früchte weist der Bachgauer-Gold-Speierling-Apfelwein auf und doch kommt die stark adstringierende Frucht geschmacklich zum Tragen. „Wir achten darauf, dass die Äpfel, die wir für den Speierling-Apfelwein verwenden, nur über wenig Apfelsäure verfügen. In Kombination mit dem sehr gerbsäurehaltigen Speierling ergibt das einen milden, leichten und feinwürzigen Schoppen, trocken, mit nahezu keinem Restzucker. So mögen ihn unsere Kunden“, verrät Richard Petermann.

Im Jahr 2006 übergab er seine Kelterei in die Hände der Tochter und des Schwiegersohns und begab sich selbst in den kreativen Unruhestand. Knapp fünf Gehminuten vom Wohnhaus entfernt pachtete Petermann eine 4000 m² große verwilderte Obstwiese, befreite gemeinsam mit fleißigen Helfern in dreimonatiger Arbeit die Apfelbäume von heruntergebrochenen Ästen und pflanzte, wie sollte es auch anders sein, acht Speierlingbäumchen. Die haben in diesem Jahr das erste Mal in nennenswertem Umfang Früchte getragen.

Der Speierling verleitet den rüstigen Rentner zu schmackhaften Experimenten. Maische von vollreifem Speierling lässt er bei Obstbrenner Göbel in Reinheim zum leckeren Brand verarbeiten. Türkische Mitbürger haben ihm verraten, dass es kaum etwas Besseres gibt als einen Speierlingkuchen. „An meinem Speierlinglikör muss ich aber noch arbeiten“, lacht Richard Petermann schelmisch. Der verfügt nämlich über so viel Tannine, dass sich die Zunge noch eine halbe Stunde nach dem Genuss taub und pelzig anfühlt. Aber in diesem Jahr verwendet Petermann einfach reifere Früchte, und schon ist das Problem gelöst.

Text: Erik Erstfeld; Foto: Erik Erstfeld
Quelle: Odenwälder Kartoffelsupp

Der Koch und die Konditorin

Hier gibt’s die Apfel-Prinzessin zum Mitnehmen

Was es mit der Apfel-Prinzessin zum Mitnehmen auf sich hat, verraten Merkels nur ihren Gästen.

ANNELSBACH (er) Das Märchen vom Dornrös'chen hat ja viel Geheimnisvolles. Das gilt auch für das gleichnamige Gasthaus und Hotel von Peter und Carola Merkel im Höchster Ortsteil Annelsbach. Das für seine Koch- und Backkünste bekannte Gastronomenpaar hat versprochen, mit mir über einige seiner Küchengeheimnisse zu plaudern. Im Gästezimmer erweckt gleich zu Beginn des Gesprächs ein Metallschild in Herzform mit der Aufschrift „Apfel-Prinzessin zum Mitnehmen € 9,50“ meine Neugierde. Der Odenwald kennt ja schon lange Kartoffel- und Apfel-Königinnen, aber eine Apfel-Prinzessin zum Mitnehmen? Und dann noch für schlappe Neunfünfzig?

Meine Frage, wie er die Gerichte auf seiner Speisekarte beschreiben würde, beantwortet Peter Merkel knapp mit „Ländlich-bürgerlich“. Das stimmt und stimmt auch nicht. Der gelernte Koch versteht es nämlich meisterlich, traditionelle und gut bekannte Gerichte mit nur wenigen ungewöhnlichen Zutaten zu verfeinern und damit völlig neue Geschmackserlebnisse zu vermitteln. Bei sehr vielen Gerichten spielen dabei seine selbst hergestellten Apfelweine und Apfelbrände eine wichtige Rolle. Ein gutes Beispiel ist die Apfelweinbratwurst. Von der Schwiegermutter bekommt Merkel luftgetrocknete und ungeschwefelte Dörrapfelstücke, die er im selbst hergestellten Apfeldessertwein einweicht und zerkleinert. Metzger Weber im benachbarten Hummetroth fügt die Masse dann für diese Wurstspezialität ins Brät. „Unsere Gäste sind begeistert“, weiß Peter Merkel zu berichten.

Da, wo sonst die gute Küche Weißwein verwendet, kommen in Annelsbach prinzipiell Apfelweine von kräftig-herb bis pikant-lieblich und mit Sherryton in die Gerichte. So wird das Rieslinghähnchen des Rheingaus und der elsässische Coq au Vin im Dornrös'chen zum nicht minder schmackhaften Ebbelwoi-Hinkelsche. Aber auch für die ungewöhnlichen Suppen mit dem ganz gewissen Etwas schwärmt so mancher Feinschmecker. Spätestens wenn Carola Merkel dann vor den Gästen steht und fragt, was es denn heute sein darf, muss die Entscheidung zwischen Apfelwein-Zwiebel- oder Apfelwein-Rahmsuppe getroffen werden. Im Dornrös'chen stehen zudem mehrere pikante Apfelmenüs zur Auswahl. Sehr beliebt ist auch die Vesper mit „Handkäs-Kochkäs-Vario“ bestehend aus je drei verschiedenen Handkäs- und Kochkäs-Zubereitungen, sowie eine siebener Apfelwein-Probe.

Carola, die Konditorin aus Leidenschaft, ist die „Süße“ bei Merkels. Ihre vierfach mit Apfelweincreme gefüllte und mit Marzipan ummantelte Apfelweintorte sowie die Apfelweintrüffel sind Legende. Aber Handkäspralinen? Der Skeptiker muss sie probieren, sonst glaubt er es nicht. Weiße, mit Handkäse versehene Schokolade mit einer Hülle von dunkler Schokolade und Nuss-Zwiebel-Musik. Die einzelnen Zutaten verschmelzen beim Genuss nicht zu einem Ganzen sondern stimulieren nacheinander die Geschmacksnerven.

Und was hat es nun mit der Apfel-Prinzessin zum Mitnehmen auf sich? „Na ja“, antwortet Carola spaßig und mit gespielter Verlegenheit, „sonst komme ich ja nie raus.“ Nein, die Wirtin des Dornrös'chen verrät nur ihren Gästen, was sich hinter der Apfel-Prinzessin versteckt. Neugierigen Lesern der Odenwälder Kartoffelsupp bleibt also nichts übrig, als sich auf den Weg hinter die sieben Berge zu den (mehr als) sieben Apfelbäumen in Annelsbach zu begeben und dort das Geheimnis von Carola oder Peter persönlich lüften zu lassen.

Text: Erik Erstfeld; Foto: Erik Erstfeld
Quelle: Odenwälder Kartoffelsupp

Zwei für besondere Anlässe

Feinster Apfelschaumwein und edler Apfelweinbrand aus Ober-Ostern

Zu besonderen Anlässen stoßen Katja und Hartmuth Pfeiffer mit feinstem Apfelschaumwein und fruchtbetontem Apfelweinbrand an. Klein-Amelie gibt sich noch mit Apfelsaft zufrieden.

Reichelsheim (er). „Eigentlich sind wir ja ein landwirtschaftlicher Betrieb mit angeschlossener Kelterei“, meint Hartmuth Pfeiffer bescheiden. Aber vielleicht ist es ja gerade das tiefe Verwurzeltsein in Odenwälder Erde, das die Apfelspezialitäten der Kelterei in Ober-Ostern so unverwechselbar macht.

Der Schoppen von Familie Pfeiffer wird aus Streuobst der nahen Wiesen hergestellt. Die vollreifen Äpfel werden bis in den November hinein vor Ort gekeltert, die Gärung vertrauen Pfeiffers den im Most vorhandenen Hefen an, die dem Apfelwein durch ihre einzigartige, natürliche Mikroflora einen ganz eigenen Geschmack verleihen. Sie wandeln ohne Unterstützung durch Reinzuchthefen den Fruchtzucker im Saft in Alkohol und Kohlensäure um. Apfelwein und Apfelsaft aus Ober-Ostern wird gerne in der Odenwälder Gastronomie ausgeschenkt. Und so erlebt es Familie Pfeiffer immer öfter, dass sie unerwarteten Besuch von Urlaubern bekommt, die ihre Produkte dort kennengelernt haben und jetzt direkt beim Erzeuger einkaufen wollen.

Bei den Odenwälder Kelterern macht sich immer häufiger Experimentierfreude breit. So auch bei Hartmuth Pfeiffer. Sein Cousin Ingolf Meister, ein studierter Getränketechnologe, stellte den Kontakt zu einer Sektmanufaktur in Groß-Winternheim her, wo jetzt seit 10 Jahren im Flaschengärverfahren ausgewählte Apfelweine zum feinsten Apfelschaumwein heranreifen. „Der findet ebenfalls in der Gastronomie großen Anklang“, berichtet Katja Pfeiffer. Dieser Apfelsekt hat nur 7,5% vol. Alkohol und bietet einen edlen und leichten Genuss. Er schmeckt mild und ist nicht zu trocken, die Apfelnote ist sehr dezent. „Wegen seines geringeren Alkoholgehaltes ziehen viele unseren Apfelschaumwein gerade beim Brunch oder beim Sektfrühstück dem Traubensekt vor“, erzählt Katja. Pfeiffers trinken ihn sehr gerne zu Brezeln und Obatzer.

Eine weitere Spezialität ist der Apfelweinbrand. Der wird bei dem mehrfach prämierten Obstbrenner Volker Ester im benachbarten Beerfurth destilliert, reift dann aber in Ober-Ostern. Hartmuth Pfeiffer empfiehlt, seinen Apfelweinbrand zunächst im Glas ein wenig mit der Hand zu wärmen und ihn dann auf Brusthöhe und anschließend direkt unter der Nase zu riechen. So kommen zuerst die feinen, delikaten und später die trockenen, würzigen Fruchtaromen in die Nase. Der erste Schluck sollte sehr klein ausfallen, um die Geschmacksnerven vorzubereiten. „Ich bin immer wieder überrascht, wie sich die ersten Eindrücke mit jedem weiteren Schluck verändern, wenn sich die Nase und der Gaumen an den Weinbrand gewöhnt haben“, meint Hartmuth. Der fruchtbetonte Pfeiffer'sche Apfelweinbrand duftet und schmeckt ausgesprochen intensiv nach Apfel, vermittelt aber auch einen Hauch von Vanille und Zimt. Er hat bei 38% vol. Alkohol kaum Schärfe.

„Für unsere Familie sind der Apfelschaumwein und der Apfelweinbrand die Zwei für die besonderen Anlässe“, lacht Katja. Weihnachten und Silvester stehen vor der Tür, bei Pfeiffers steht jetzt schon fest, womit man dann anstoßen wird.

Ja, und wo bekommt man die Spezialitäten aus Ober-Ostern? In einigen Märkten der Region oder am besten direkt in der Kelterei. „Ich nehme Bestellungen aber auch gerne telefonisch entgegen“, versichert Katja und empfiehlt nicht allzu lange zu warten, damit noch alles pünktlich zu den Feiertagen eintrifft.

Kelterei Pfeiffer
Ostertalstraße 3
64385 Reichelsheim/Ober-Ostern
Tel.: 06164/14 52

Text: Erik Erstfeld; Foto: Erik Erstfeld
Quelle: Odenwälder Kartoffelsupp