Apfelweinfest 2017

16. bis 18. Juni in Beerfurth

Literaturempfehlung zur Pflege von Streuobstbäumen

Der Landschaftspflegverband Aschaffenburg e.V. hat eine praxisorientierte Broschüre mit dem Titel "Pflanzung und Pflege von Streuobstbäumen" herausgegeben. Der Autor Alexander Vorbeck behandelt speziell die Pflanzung von Hochstämmen und relevante Schnitttechniken.

Die Broschüre ist bestellbar bei:

Schlaraffenburger Streuobstagentur
Tel.: 06029/99 56 44
Fax: 06029/99 56 99
E-Mail: birgit.gemmecker@schlaraffenburger.de

Die Broschüre als pdf-Ansicht finden Sie hier: https://schlaraffenburger.de/cms/component/content/article/42-obstbaumschnitt/102-pflanzung-und-pflege-von-streuobstbaeumen.html 

Mistelbefall von Streuobstbäumen

Der immergrüne Schmarotzer

Foto: Anke Braun

Vielerorts ist in unserer Region ein zunehmend starker Befall von Misteln an Apfelbäumen zu beobachten. Da der Apfelbaum häufig Wirtsbaum der Laubholzmistel ist, sind inzwischen ganze Streuobstanlagen befallen, die nicht mehr einer regelmäßigen Pflege unterliegen. Der Befall ist vor allem im Winter gut sichtbar, wenn das Laub abgeworfen wurde und die immergrünen Misteln gut zu erkennen sind. Oft lässt sich das Bild eines scheinbar geschlossenen grünen Kronenbewuchses erkennen. Einige Bäume sind so stark befallen, dass sie im Winter hierdurch belaubt erscheinen. Bei zu starkem Befall kann der Baum stark geschädigt werden. Es kann sogar zum völligen Absterben des Baumes kommen.

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Artikel: Anke Braun

Sie prägt das Odenwälder Landschaftsbild

Die Streuobstwiese gehört zu den gefährdeten Biotopen in Mitteleuropa

Auf dieser Obstwiese auf dem Wambolder Sand stehen viele Hochstämme mit alten, für die Region typischen Obstsorten. Außerdem finden hier Vögel, Fledermäuse und Insekten ein Zuhause. Foto: Erik Erstfeld

ODENWALD (er). In dieser Ausgabe der Odenwälder Kartoffelsupp geht es dem Förderverein Odenwälder Apfel e.V. um eines seiner Herzensanliegen – die Erhaltung und Pflege der Streuobstwiesen. Herzensanliegen deshalb, weil in Zeiten der Plantagenwirtschaft und Monokulturen die arbeitsintensive Pflege von Hochstämmen bei weitgehendem Verzicht von Herbiziden und Insektiziden nicht gerade wirtschaftlich ist. Und doch sprechen viele Gründe dafür, sich für den Erhalt dieses artenreichen Ökosystems einzusetzen.

Die Streuobstwiese ist die traditionelle Form des Obstbaus. Hier stehen ganz unterschiedliche, hochstämmige Obst- und Nussbäume zwischen Stauden und Sträuchern, Gräsern und Jungpflanzen. Der moderne, intensive Obstanbau ist dagegen von niederstämmigen Obstsorten in Monokultur geprägt. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die Obstwiesen stark dezimiert. Heute gehören sie zu den am stärksten gefährdeten Biotopen Mitteleuropas.

Für die Streuobstwiese eignen sich vor allem Hochstämme mit widerstandsfähigen Obstsorten, die den jeweiligen Gegebenheiten hervorragend angepasst sind. Die Sortenvielfalt hat daher auch im Odenwald einen ausgeprägten regionalen Bezug. Die alten Obstsorten sind gegenüber Krankheiten und Schaderregern besonders robust. Die Streuobstwiese bildet einen wichtigen Lebensraum für Vögel, Fledermäuse und Insekten. Obstwiesen sind wesentlich artenreicher als Plantagen und selbst biologisch bewirtschaftete Niederstamm-Anlagen. Für viele mitteleuropäische Vogelarten sind die alten Streuobstbestände mit ihrem Höhlen- und Totholzreichtum ideale Brutstätten, die dort reichlich vorhandenen Spinnen, Insekten und Tausendfüßler liefern unseren gefiederten Freunden reichlich Nahrung.

Wir empfehlen in diesem Zusammenhang die Arte-Dokumentation „Das Karussell des Lebens“ über die Streuobstwiese. Man findet sie auf Youtube. Noch besser ist es allerdings, die Schuhe zu schnüren und wachen Auges die Obstwiesen im Odenwald zu begehen. Einige Organisationen, z.B. verschiedene NABU-Gruppen, bieten geführte Wanderungen an, bei denen die Teilnehmer für das, was sie da sehen und hören, sensibilisiert werden und interessante Informationen erhalten.

Quelle: Odenwälder Kartoffelsupp

Die Apfelzeit beginnt

In den Keltereien geben sich die Äpfel bald ein Stelldichein

(er). Auf den Odenwälder Streuobstwiesen reifen jetzt die Äpfel um die Wette. Sie heißen Brettacher, Renette, Weißer oder Roter Trierer, Boskoop, Goldparmäne, Winterrambur, Gewürzluike, Reichelsheimer Weinapfel, Bittenfelder Sämling, Berlepsch und Rheinischer Bohnapfel. Wer kennt diese alten Bezeichnungen noch? Aber auch ganz selten gewordene Sorten wie der Spitzrabauke (die Odenwälder sagen Spatzegroe) oder der Scheuerberger sind darunter.

Die Äpfel von den Odenwälder Streuobstwiesen sind hervorragendes Kelterobst und ergeben den für die Region typischen und unverwechselbaren Apfelsaft und Apfelwein. Die frühen Sorten werden bereits Anfang September reif, die späten lassen sich noch bis in den Dezember hinein Zeit. Der Sommer hatte in diesem Jahr sehr viele Sonnentage, was einen hohen Oechslegehalt und volles Aroma verheißt. Entscheidend sind aber noch mal die Tage, bevor die Äpfel geerntet werden.

Vollreif und völlig gesund sollten die Äpfel sein, wenn sie in die Kelter gelangen. Für die Obstwiesenbesitzer ist die Versuchung groß, alle Sorten zum selben Zeitpunkt zu ernten, um sich nur einmal die Arbeit machen zu müssen. Das hat aber zur Folge, dass die spätreifen Äpfel nur unzureichend Fruchtzucker und Aroma besitzen. Die Qualität von Saft und Wein leiden unter einem zu frühen Erntezeitpunkt. Qualitätsbewusste Keltereien weisen Lieferanten ab, die unreife Äpfel bringen.

Interessanter Weise reagieren viele Apfelallergiker, die auf den Genuss von Golden Delicious, Granny Smith, Jonagold oder Braeburn ein Brennen im Mund und im Rachenraum verspüren, nicht, wenn sie beispielsweise in einen Boskoop oder in eine Goldparmäne beißen. Ursächlich für den erhöhten Allergengehalt in jüngeren Sorten könnte ein vergleichsweise niedrigerer Gehalt an Phenolen im Apfel sein. Es wird vermutet, dass das Polyphenol die allergenen Stoffe im Apfel unschädlich macht. Polyphenole sind aromatische Verbindungen, die zu den sekundären Pflanzenstoffen gehören. Sie bewirken, dass der Apfel zwar aromatisch, aber weniger süß ist. Aus vielen neueren Marktsorten wurden die Phenole wegen des säuerlichen Geschmacks herausgezüchtet. Alte Sorten dagegen sind häufig phenolreicher. Wer weiß, dass er an einer Allergie leidet, sollte sich zunächst langsam und mit kleinen Stücken vortasten. Die alten Apfelsorten gibt es auf vielen Wochenmärkten und Direktvermarktern sowie bei vielen Mitgliedsbetrieben des Förderverein Odenwälder Apfel e.V.

Quelle: Odenwälder Kartoffelsupp

Knackig und mit Biss oder als gediegenes Fallobst?

Die richtige Reife beschert einen prima Apfelwein

Apfelepidemie: Die Guten ins Töpfchen: Die Zeit der Reife ist nicht nur beim Menschen ein wichtiger Lebensabschnitt, auch Bohnapfel & Co. wollen zur rechten Stunde gepflückt werden.

Unreifes Obst bekommt einem gedeihlichen Apfelwein nicht, denn es hat während des Gärprozesses mit spürbarem Zuckermangel zu kämpfen. Zudem muss man unreife Früchte oft intensiv schütteln oder gar mit rabiater Gewalt vom Baum lösen. Dieser wird hierdurch geschädigt. Lassen sich die Äpfel leicht vom Ast lösen, ist der richtige Zeitpunkt gekommen. Nun zeigen die Äpfel ihre wertvollen Inhalts- und Geschmacksstoffe, denn mittlerweile ist das Säure – Zuckerverhältnis hervorragend ausgewogen. Im unreifen Zustand überwiegen Säure und Gerbstoffe. Das hat jeder schon geschmeckt, wenn er einmal in einen „grünen“ Apfel gebissen hat. Der Wein wird dann eher dünn und säuerlich herb. Zudem leidet er unter geringem Alkoholgehalt, da weniger Zucker in den Früchten gewesen ist. Auch ist eine geringere Haltbarkeit die Folge. Mit reifen Äpfeln verhindert man einen strohigen, trockenen und faden Geschmack. Im Übrigen ist der Saftanteil und somit die Ausbeute wesentlich größer. Überreife und lange liegende Äpfel führen zu einem muffigen Wein mit deutlich schmeckbaren Fäulnistönen. Dies wiederum wirkt sich ebenfalls auf die Ausbeute aus, denn weiche und teigige Früchte lassen sich schlecht pressen. Pflückreif ist der Apfel, wenn er sich mit einer leichten Drehbewegung vom Ast lösen lässt.

Allerdings sollte man von gutem Fallobst keinen Abstand nehmen. Nur gilt es, den Zustand mit Kennerblick und Erfahrung zu beurteilen. Auf dem Boden der Obstwiese erfahren die Äpfel zudem eine gewisse Nachreife, was den Zuckergehalt angenehm in die Höhe treibt. Doch Vorsicht vor Vogelverbiss und nagenden Leckermäulern! Der klassische Odenwälder Weinapfel, der Rheinische Bohnapfel, wird sehr spät geerntet. Lange nachdem andere Sorten bereits gepflückt sind, prangt er noch an den Bäumen der Obstwiesen. Übrigens: Wer mit Plantagenobst keltert, der kentert. Denn dies hat einen zu niedrigen Säuregehalt. Die Früchte unserer alten Streuobstwiesen sind es, die die besten Ergebnisse beim Apfelweinmachen bringen. Dies gilt natürlich auch für Säfte! Am besten man nimmt sich einen erfahrenen Schobbepetzer zur Hand, wenn man das erste Mal zum „Ebbelläse“ geht. Man sieht, der Begriff favorisiert den liegenden Apfel. Die Gründe sind nun bekannt. Vertrauen Sie Ihrem fachlich geschulten Begleiter. Er verfügt über jahrelange Erfahrung und empfiehlt Ihnen die besten Exemplare. Irgendwann stellt sich dann der Kennerblick ein, und auch Sie werden die Grundvoraussetzungen für einen knackigen Schoppen mit Biss aus ausgereiften Äpfeln kennen lernen! Prosit.    

Quelle: Typisch Odenwald, Sonderbeilage des Vereins

Sie suchen Obst- und Gartenbauvereine in Ihrer Nähe?

Hier finden Sie die richtigen Ansprechpartner, die mit Rat und Tat zur Seite stehen!

Die Klärung allgemeiner Sachfragen, Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, Unterstützung und fachkundige Beratung in Sachen Obst- und Gartenbau sowie der Landschaftspflege zählen zu den Leistungen der ortsansässigen Obst- und Gartenbauvereine und des Kreisverbandes.

Die Ziele sind klar definiert: Förderung des Obst- und Gartenbaues, Pflege und Erhaltung der Gartenkultur, Pflege und Erhaltung von Streuobstwiesen und alten Obstsorten, Landschaftspflege, Natur- und Umweltschutz.

Wer sich nicht nur beraten lassen, sondern gerne selbst aktiver Teil eines Obst- und Gartenbauvereines werden möchte, ist herzlich dazu eingeladen sich bei den entsprechenden Vorstandsmitgliedern  zu melden.

Adressen der Obst- und Gartenbauvereine des Kreisverbandes Odenwald-Dieburg:

Verein

Vorsitzender

Adresse

Telefon

Bad König

Werner,

Geidel

Höhenstr. 17

64732 Bad König

06063-1889

Beerfelden

Wilfried,

Michel

Mümlingtalstr. 69

64743 Beerfelden

06068-2294

Brensbach

Klaus-Dieter,

Schmidt

Am Pfaffengraben 16 64395 Brensbach

06161-2075

Brombachtal

Herbert,

Schäfer

Martin.-Luther-Weg 1

64753 Brombachtal

06063-913210

Brombachtal

Werner,

Krämer

(Rechner)

Hauptstr. 85

64753 Brombachtal

06063-2287

Erbach

Andreas, Schwinn

In der Katzenklinge 4a 64711 Erbach

06062-608647

Fr.-Crumbach

Bruno

Jöckel

2 Vorsitzender

Klostergasse 3

64407 Fr.-Crumbach

06164-3765

Fr.-Crumbach

Helmut,

Keil

(Rechner)

Römersberg 3

64407 Fr.-Crumbach

06164-3658

Hainstadt

Kai-Heinz,

Horn

Weinbergstr. 19

64747 Breuberg

06165-6751

Heubach

Erwin,

Kircher

Am Dorfbrunnen 5

64823 Gr.-Umstadt

06078-9676118

Höchst

Kurt,

Horn

Oberhöchterstr. 24 64739 Höchst

0151/50686536

Kleestadt

Horst,

Schäfer

Obertorstr. 2

64823 Gr.-Umstadt

06078-72061

Neustadt/R. Br.

Erich,

Stütz

Forsthausstr. 20

64747 Breuberg

06165-2671

Niedernhausen

Helmut,

Arras

Lindenstr.19

64405 Fischbachtal

06166-323

Reichelsheim

Peter,

Hörr

Guldenstr. 6

64385 Reichelsheim

06164-912400

Reichelsheim

Iris,

Krichbaum

(Schriftführerin)

Guldenstr. 8

64385 Reichelsheim

06164-2859

Reinheim- Ueberau

Ralf,

Herrmann

Lindenweg 20

64354 Reinheim

06162-809514

Sandbach

Dr. Christa, Schlesinger

Kreuzfeldstr. 10

64747 Breuberg

06163-5717

Schaafheim

Holger,

Dieter

Im Herrngarten 29

64850 Schaafheim

06073-88914

Streuobstfr.

Lützelbach

Michael,

Raitz

Angelhofstr. 20

64750 Lützelbach

06165-30713

 

Reiche Vielfalt im Bembel und im Glas

Apfelwein hat viele Facetten, die es zu entdecken gilt

Diese gar nicht mehr so seltenen, gerbsäurereichen Früchte des Speierlings auf der Obstwiese von Richard Petermann in Großostheim werden den Apfelwein schon bald verfeinern.

(er). Können Sie sich eine Getränkekarte vorstellen, auf der einfach nur „Bier“ und „Wein“ ohne nähere Bezeichnungen aufgeführt sind? Wohl kaum. Schließlich möchte der Gast wissen, ob es sich um ein Pils, ein Export oder ein Weizenbier handelt. Natürlich interessiert auch die Brauerei. Selbstverständlich möchte man, bevor bestellt wird, erfahren, ob ein Wein rot oder weiß im Glas leuchtet, trocken, halbtrocken oder lieblich schmeckt. Auch die Bezeichnungen der Reben, des Jahrgangs und des Winzers sind eine Selbstverständlichkeit. In Sachen Apfelwein hat sich auf den Getränkekarten in den letzten Jahren – endlich – einiges getan. Aber noch immer gibt es Karten auf denen lieblos „Apfelwein pur“, „Apfelwein sauer“ oder „Apfelwein süß“ steht. Als ob der Schoppen überall gleich schmeckt.

In dieser Ausgabe stellen wir Ihnen sieben Mitgliedsbetriebe vor - drei Keltereien und vier Gastronomen - von denen jeder seine ganz unverwechselbaren Apfelweine herstellt. Klassische Schoppen, klar oder naturtrüb, trocken oder halbtrocken oder sogar als Dessertwein lieblich. Manchen Apfelweinen wird Speierling zugesetzt, andere haben einen Birnenanteil. Und dann gibt es noch die sortenreinen Versionen und Cuvées mit nur kleiner Auswahl an darin enthaltenen Apfelsorten. Bei jungen Menschen sind, auch wenn das Puristen nicht gerne hören, die Apfelweinmischgetränke sehr beliebt. Über die lange Tradition der Apfelschaumweine werden wir ein anderes Mal ausführlich zu berichten haben.

Und welche Apfelweine schmecken nun am besten? Das herauszufinden, kann Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, niemand abnehmen. Probieren Sie den Odenwälder Ebbelwoi in all seinen Geschmacksrichtungen. Wenn Sie sich dann noch nicht entscheiden können, beginnen Sie wieder von vorne.

Viel Genuss bei Ihrer Odyssee durch die köstliche Welt des Apfelweins und der dazugehörigen Küche wünschen Ihnen jedenfalls die Mitgliedsbetriebe des Förderverein Odenwälder Apfel e.V.

Quelle: Odenwälder Kartoffelsupp

Pflanzung von Obstbäumen

Bewahrung des Odenwälder Landschaftsbildes durch Erhalt der Streuobstwiesen

Hans-Joachim Vogler demonstriert den Wurzelschnitt. Foto: Petra Vogler

(er). Streuobstwiesen sind für das Landschaftsbild des Odenwaldes charakteristisch. Es ist ein unverwechselbares Erlebnis hier während der Apfelblüte unterwegs zu sein oder das Jahr über zu beobachten, wie das Obst auf den Bäumen wächst und reift. Die Pflanzung hochstämmiger Obstbäume mit den alten Sorten ist deshalb ein wesentlicher Beitrag zur Erhaltung dieser Kulturlandschaft. Die durch Pflanzung entstehenden Streuobstwiesen sind von hoher ökologischer Bedeutung. Sie stellen den Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen dar und tragen so zum Erhalt der Artenvielfalt bei. Abgesehen davon: Eigenes Obst ernten und verwerten ist ein einmaliges Erlebnis und führt uns zu unseren Wurzeln zurück.

Die beste Pflanzzeit für Obstbäume ist der Herbst, da sich im Winter schon Wurzeln bilden können. Doch wie wird richtig gepflanzt?

Für die Pflanzung in der Landschaft werden stark wachsende Bäume mit einer Sämlingsunterlage empfohlen. Vor der Pflanzung sollte der Platzbedarf und notwendige Grenzabstand zu Waldrändern und Hecken bedacht werden. Dadurch entstehen gute Voraussetzungen für eine gute Obstqualität sowie ein geringer Krankheits- und Schädlingsdruck. Von anerkannten Baumschulen erhält man sortenechtes und virusfreies Pflanzmaterial.

Die Pflanzgrube sollte einen Durchmesser von etwa 100 Zentimetern und eine Tiefe von rund 50 Zentimetern haben. Die Grubensohle wird aufgelockert, um das Wurzelwachstum zu fördern. Der Baumpfahl wird vor dem Setzen ungefähr 15 Zentimeter vom Stamm entfernt in Richtung Südwest eingerammt. Bei ballenlosen Pflanzen werden die verletzten und vertrockneten Wurzeln entfernt. Der Baum wird so tief gepflanzt, dass sich die Veredelungsstelle 10 Zentimeter über dem Boden befindet. Für den Wühlmausschutz wird in die Pflanzgrube ein Drahtkorb eingebaut, der oben gut verschlossen sein muss. Mit einem Kokosfaserstrick wird dann der Baum am Pfahl befestigt und der Stamm vor Verbiss mit einer Drahthose geschützt. Der Pflanzschnitt für den Kronenaufbau wird bei einer Herbstpflanzung erst im Frühjahr ausgeführt. Besonders wichtig ist das Angießen nach der Pflanzung, um die Wurzeln gut einzuschlämmen. Für die weitere Pflege sollte in den ersten fünf Jahren eine Baumscheibe von 100 cm Durchmesser sowie eine Gießmulde erhalten bleiben.

Bei der Sortenauswahl ist der Verwendungszweck von Bedeutung. Alle frühen Apfelsorten haben nur eine kurze Lagerfähigkeit. Bei Spätsorten ist der richtige Erntezeitpunkt für eine lange Lagerung wichtig.

So weit die Theorie. Entscheidet man sich, mit dem Anbau von Obst anzufangen, empfiehlt sich eine Mitgliedschaft im örtlichen Obst- und Gartenbauverein. Hier gibt es wertvolle Tipps für die Praxis und auch das eine oder andere Obstgehölz wird unter einander ausgetauscht. Sehr gerne hilft Hans Helmut Börner (hanshelmut.boerner@web.de), der erste Vorsitzende des Kreisverbandes OGL Odenwald. Er leitet auch gerne eine Liste mit Beschreibungen der verschiedenen Obstsorten per E-Mail weiter.

Quelle: Odenwälder Kartoffelsupp

Der Apfel - seine Anfänge und seine Anhänger

Was macht eigentlich ein Pomologe?

Die ältesten Apfelfunde in Deutschland sind ungefähr 6000 Jahre alt. Bei Heilbronn wurden sie entdeckt und von den so genannten „Bandkeramikern“, der ältesten bäuerlichen Kultur der Jungsteinzeit, dort hinterlassen. Des Weiteren fand man Spuren vom historischen Holzapfel auch in den Pfahlbauten am Bodensee, in der Schweiz und in Österreich. Schon die Kelten dörrten ihn für ihre Vorratshaltung. Dann, während der Kreuzzüge, erfuhr der Apfel durch Tausch der Sorten eine überraschende Vielfalt. So kennt man seit dem 16. Jahrhundert den Roten Eiserapfel, die Herbstparmäne, den Königlichen Krummstiel, die Goldparmäne und den Weißen Winterkalvill. Zuerst war die göttliche Frucht nur den kirchlichen und weltlichen Würdenträgern vorbehalten und wuchs in hochherrschaftlichen Gärten. Auf Apfelklau stand bisweilen die Todstrafe. Dann stieg der Apfel mit seinen wichtigen Nährstoffen für das Volk hinab in die Gärten der Bauern, wo er 200 Jahre später nicht mehr wegzudenken war. Und plötzlich der runde Roller rückte ins Interesse der Forscher. Die mittlerweile in großer Vielfalt auftretende Frucht musste kategorisiert und verzeichnet werden. Die Kenner probierten einen Saftigen, zeichneten einen Rotbackigen, beschrieben einen Buntgeflammten und notierten die Lagereigenschaften. Der Pomologe war geboren.

Das Veredeln wurde zum Sport der Wissenschaftler, man kreuzte und verbesserte. Die neu gezüchteten Äpfel wurden nach ihren „Vätern“ oder nach Herkunftsorten benannt. Kaiser Wilhelm oder Brettacher sind zwei Beispiele hierfür. Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten sich die Äpfel den wirtschaftlichen Erfordernissen der Tafelobstproduktion unterwerfen. Übrig blieben der fad – süße Delicious, der krachsaure Granny Smith, der zähnebrechende Braeburn und die geschminkte Pink Lady. Die reiche Vielfalt musste dem schönen Schein weichen. Heute sind die Pomologen unersetzbar: Sie sammeln, was noch zu sammeln ist, bewahren, was bewahrt werden kann, hüten und pflegen. Nach aus der Literatur und dem Volksmund bekannten Obstsorten wird gefahndet. Längst verschwunden geglaubte Sorten konnten so wieder gefunden werden. Schnuppern, probieren und vergleichen. Emsig und schwierig ist die Arbeit des Pomologen. Er verfasst Anleitungen zum richtigen Anbau am richtigen Ort und hilft den einheimischen Sorten wieder auf die Beine. So trägt er mit seiner akribischen und leidenschaftlichen Arbeit zum Erhalt der Artenvielfalt auf den Streuobstwiesen bei.

Quelle: Typisch Odenwald, Sonderbeilage des Vereins

Großalarm im Bienenschwarm?

Ohne Imker, kein Obst oder der Mensch als Regulativ im Ökosystem Obstwiese

Foto: Hans Helmut Börner

Die Imkerei ist eine der ältesten Kulturtechniken des Menschen. Schon um 2400 v. Chr. sind in Mesopotamien Bienenzüchter nachgewiesen. Unter den deutschen Imkern betreiben ungefähr 99 % diese Passion als Hobby oder Nebenerwerb. Lediglich 200 Personen verdienen ihr tägliches Brot hiermit. Ein wesentliches Problem ist der Nachwuchs. Dem Internet – Lexikon Wikipedia zu Folge liegt das Durchschnittsalter der Imker bei weit über 60 Jahren. „Dies ist prinzipiell eine massive Bedrohung“, sagt der Hobbyimker Peter Walberg aus Rehbach, „denn es gibt ja Gegenden, in denen die Wanderimkerei Tradition hat. Die Kollegen werden dafür honoriert, dass sie ihre Völker zur Blütenbestäubung auf die Obstwiesen bringen. Die Honiggewinnung ist hier eher ein angenehmer Nebeneffekt.“ Woran liegt´s? Hierüber zu spekulieren ist müßig und ändert nichts an der Tatsache. Fest steht jedenfalls, dass die Imkerei nur von Erfolg gekrönt ist, wenn man Beständigkeit und eine besondere Liebe zur Natur einbringt. Ohne Bienen kein Obst? In den USA hat der Rückgang der Populationen bereits dramatische Ausmaße angenommen. Keiner weiß genau, warum dies so ist und wohin die Bienen verschwinden. Jedenfalls schlägt sich dort die Misere bereits in der Wirtschaft nieder, ist doch ein Drittel aller frischen Nahrungsmittel von den süßen Summern und ihrer Bestäubungskunst abhängig.

Wie man aus den Medien vernehmen kann, ist wohl auch in Deutschland ein Rückgang der Völker zu verzeichnen. Der Einsatz von Pestiziden und die Genmanipulation werden oft als Grund angeführt. Doch das wahre Problem scheint eher der Rückgang der Bienenzüchter zu sein. Der Job ist etwas aus der Mode gekommen und wirkt auf manchen vielleicht angestaubt: „Aber das ist er nicht“, protestiert Walberg, „denn die Imkerei hat Vorteile, die man auf den ersten Blick gar nicht wahrnimmt. Seit ich mich um meine Bienen kümmere, verstehe ich viel mehr über Wetterfolge, Blütenzyklen und die Natur in unserer Gegend. Dass man ein wenig investieren muss, das ist klar. Ich glaube auch, dass der Begriff Desinteresse ein wenig hinkt. Früher sah man Bienenstöcke viel öfter. Bauern waren auch Imker. Das hat gewaltig nachgelassen. Somit fehlt jungen und interessierten Menschen die Möglichkeit der Kontaktaufnahme.“ Wen sollen sie fragen? Da kommen nun die Imkerverbände ins Spiel, die angehende Kollegen und alle Interessierten gerne mit Informationen versorgen. „Wer sich einmal von den Bienen hat gefangen nehmen lassen, kommt von ihnen nicht mehr los. Er erfährt den Umgang mit den kleinen Flügelwesen als Bereicherung seines Lebens“, heißt es in der Veröffentlichung „Faszinierende Bienenwelt“ des Deutschen Imkerbundes. So leiste die Biene einen unverzichtbaren Beitrag für die Natur, für den Erhalt einer lebenswerten Umwelt und das Funktionieren einer gedeihlichen Landwirtschaft. Alles Schönfärberei? Mitnichten, hier kommen Tatsachen auf den Tisch. Denn Honig können wir jederzeit importieren, die Bestäubungsleistung der Bienen jedoch nicht. Aber auch andere Faktoren sprechen für das Hobby der Imkers: In einer Zeit, in der allenthalben Hektik, Stress und beruflicher Druck unser Leben bestimmen, findet man im jahreszeitlichen Umgang mit Bienen gelassene Ruhe und eine gewisse Friedfertigkeit. „Entschleunigung“ heißt das Zauberwort zurzeit. Somit ist die Imkerei neben ihrer Bestandssicherung für die Obstwiesen auch eine spannende Erholung und Freizeitbeschäftigung. Und nebenbei gibt es noch leckeren Honig, der gerade im Odenwald immer mehr Liebhaber findet. Infos erteilt:

Karlheinz Wamßer

Im Kimbachtal 51
64732 Bad König

Tel. 06066-1330
E-Mail: khwamsser@t-online.de

Quelle: Typisch Odenwald, Sonderbeilage des Vereins

Vom Werden und Vergehen einer uralten Kulturpflanze: der Wild-Apfel

Foto: Armin Treusch

Jedes Jahr wird eine einheimische Baumart zum Baum des Jahres (siehe www.baum-des-jahres.de) gewählt. Der Förderverein Odenwälder Apfel e.V. freute sich besonders, daß im Jahr 2013 der europäische Wildapfel (malus silvestris) zum Baum des Jahres gewählt wurde. Den Apfelbaum kennt jeder, aber nur die wenigsten haben schon einen Wildapfelbaum gesehen. Er ist eine der seltensten Baumarten, stark gefährdet und meist unauffällig am Waldrand zu finden.
Unser Kulturapfel stammt jedoch nicht von diesem Wildapfel, auch Holzapfel genannt, ab.
Vielmehr wird er nach neueren Genabgleichen von kaukasischen, zentralasiatischen und ukrainischen Wildapfelsorten abgeleitet. Ursprünglich - man weiß nicht wann und bei welcher Gelegenheit - könnte der Kulturapfel aus Asien kommen, vielleicht auf Handelswegen als begehrtes lebensverlängerndes Heilmittel. Das Erbgut des europäischen Wildapfels malus silvestris jedoch findet sich nur in sauren kleinen Mostäpfeln wieder, aber die Menschen müssen sie bereits in vorgeschichtlicher Zeit gegessen haben: in Pfahlbauten und bei den Griechen und Römern sind Funde verzeichnet. Die Römer hatten schon etwa 30 Sorten Kulturäpfel gezüchtet, die sie mit in ihre Provincia Germania brachten und dort auch heimisch machten. Denn die Germanen kauten damals noch immer lustlos auf sauren Miniäpfeln herum.
Es kamen Zeiten, vor allem nach der Völkerwanderung und zu Zeiten Karls des Großen, da gab es unzählige Apfelsorten. Heute finden sich in Deutschland 4000 Apfelsorten. Doch die Hochzeit des Kulturapfels haben wir schon längst hinter uns gelassen: 70% des deutschen Apfelmarktes werden von Golden Delicious, Jonagold und Red Delicious versorgt. All die anderen Sorten sind entweder nicht robust genug, zu pflegeintensiv oder nicht makellos genug. Das Konzept der Streuobstwiese, über viele Jahrhunderte im Odenwald gepflegt, verliert an Substanz. In den 1960er Jahren brachten Rodungsprämien vielen Wiesen das Ende.
Die einstige Sortenvielfalt aber bot nicht nur viele gute Eigenschaften wie Pilzresistenz oder antiallergene Wirkung, die den drei bis fünf heute gängigen Tafeläpfeln fehlen, sie hatte auch dafür gesorgt, daß das ganze Jahr Äpfel verfügbar waren. Äpfel aus einheimischem Anbau versteht sich, nicht aus Neuseeland importiert. Es gab Sorten, die schon im Juli reif waren wie der Klarapfel. Und es gab Sorten, die man im November ernten konnte wie den Ontario. Waren diese aufgegessen, dann holte man die Lagersorten auf den Tisch: den Zigeunerapfel oder Roter Eiser, der in Erdmieten bis zum übernächsten Sommer halten konnte! Der rote Herbstkalvill dagegen konnte nur bis in den Dezember gelagert werden, dann verdarb er schnell. Deshalb bekamen die Kinder früher zu Nikolaus und zu Weihnachten glänzende rote süße Äpfel geschenkt. Andere Lageräpfel konnten bis in den Mai hinein aufbewahrt werden.
Notwendig dazu war jedoch ein kühler Erdkeller, in dem das Apfelbett aufgestellt war: Horden aus Holz, mit Farnwedeln ausgelegt, auf die die Äpfel vorsichtig und berührungsfrei gelegt wurden. Bevor sie verdarben, wurden sie zu Apfelmus oder Kompott gekocht, zu Most gepreßt oder als Apfelringe getrocknet. Das ist heute den meisten Apfelgenießern viel zu viel Arbeit, und kaum jemand hat noch einen kühlen Erdkeller.Und so gehen wir in den Supermarkt, kaufen Äpfel vom anderen Ende der Welt und kauen lustlos auf makellos aussehenden, aber langweilig schmeckenden Früchten herum. Wie hatten es die Germanen damals doch gut: ihre Äpfelchen schmeckten wenigstens krachsauer...

Artikel: Marieta Hiller

Weitere Artikel von Marieta Hiller finden Sie hier: www.felsenmeerdrachen.<wbr />de/das-<wbr />maerchenschatzkaestlein/